Renate
Nachhauseweg als Tier
Nachhauseweg als Tier
Als
mittelgroßes Äffchen bin ich in hellbraunes Fell gekleidet, und meine vier
Pfoten und der lange Schwanz verschaffen mir große Bewegungsfreiheit.
Wenn
ich den Mund öffne, zeige ich sehenswerte Eckzähne. Ich liebe es nicht so sehr,
auf dem flachen Boden zu laufen. Daher suche ich mir auf meinem Weg zum Bus
Stufen, Mäuerchen und Bäume um bis zur Haltestelle zu turnen.
Plötzlich
entdeckt mich ein größerer Junge auf einem Skateboard. Hey, cool, ruft er und
schießt auf meinen Schwanz zu. Vergeblich! Ein schneller Sprung, und ich bin
auf einem Ast, von dem ich interessiert ein herumkugelndes fluchendes Etwas
betrachte.
An
der Haltestelle falle ich zwischen den Wartenden zunächst nicht auf, kaum einer
schaut nach unten. Die Wartebank scheint mir sauberer, also hüpfe ich hinauf,
worauf ich schnell erstaunte und neugierige Blicke auf mich ziehe. Jemand
versucht mich anzufassen, aber wer lässt sich schon gerne begrapschen. Ich
beiße ihn in die Hand. Die restliche Wartezeit verbringe ich ruhig mit
freundlich entblößten Zähnen.
Da
hält auch schon der Bus. Am Fahrer schleiche ich mich ganz unten vorbei und
wiesele zwischen all den Beinen hindurch bis in den hinteren Busteil. Dort
setze ich mich artig auf einen Sitzplatz neben eine Frau. Als sie mich
entdeckt, klappt ihr Mund lautlos auf und sie starrt mich unhöflich an. Ich
lege meinen Schwanz auf die andere Seite. Da sie nichts sagt, wird sie mir
sympathischer.
Der
Bus hält, Leute drängen herein. Eine ältere Dame entdeckt mich und schreit.
Erschreckt springe ich meiner Nachbarin an den Hals und klammere mich in ihre
Haare. Nun schreit auch sie. An der nächsten Haltestelle bin ich am Ziel und im
hohen Bogen draußen.
Auf
dem kurzen Heimweg vom Bus treffe ich noch zwei räudige Köter mit ihren
Menschen an der Leine. Die Vierbeiner werden sofort von Tobsuchtsanfällen
geschüttelt, begleitet von wütendem Gekläff, während von oben Worte wie
„Pfui!“, „Aus!“, Platz!“ herunterprasseln. Allein, sie platzen nicht.
Wie
am Galgen hängend würgen sie auf zwei Beinen an ihren Leinen und führen nun ihre Menschen schleudernd Gassi. Ich
sitze derweil längst gegenüber auf einem Zaunpfeiler und sehe den armen
torkelnden Stänkern mit ihrem abgeschnürten Geröchel amüsiert zu.
Zu
Hause angekommen putze ich mir die
widerwärtigen Hunde- und Menschengerüche ab, lause mich ein wenig und habe
endlich meine Ruhe. Kann sich denn niemand angesichts eines Affen ordentlich
benehmen?
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