Sonntag, 23. September 2012


Jutta
Malen in der Schule – meine Erinnerungen
Mein absolutes Lieblingsfach in der Schule war der Kunstunterricht. Hier konnte ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Im Malen und Zeichnen hatte ich keine Schwierigkeiten, etwas auf das Papier zu bringen, wo manch Mitschüler schlicht am Verzweifeln war. Während ich mit der Bildgestaltung beschäftigt war, konnte ich trotz Doppelstunde kein Ende finden. Am liebsten arbeitete ich mit Buntstiften, auch mal  it Ölkreiden, aber wenn wir mit Tusche und Pinsel arbeiten sollten, streubte ich mich. Hier gingen mir die genauen Konturen und Striche verloren, vieles verschwamm und wirkte auf mich unsauber. Meine Lehrerin war begeistert von meinen Werken und lobte mich oft. Damals wurden alle Bilder der Klasse an die Wand gehängt und wir konnten sie alle betrachten.
Auch von meinen Mitschülern bekam ich viel Positives zu hören. Viele aus unserer Klasse mochten nicht malen. Sie zogen das textile und handwerkliche Gestalten vor. In der Abschlussklasse nahm der Schulleiter meine Bildmotive für das Bühnenstück, das Schüler der Abgangsklassen aufführten. Ich war mächtig stolz auf mich.

Meine ersten selbstgemalten Bilder
Ich war wohl etwa sechs Jahre jung, als ich meine ersten Bilder zu Papier brachte. Ich hatte das Talent von meinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Ich bewunderte seine Werke von Natur, Blumen und Frauen – die zeichnete er am liebsten kurvenreich und verführerisch. Für mich gab es da andere Motive. Ich wollte immer die heile Welt einer Familie darstellen. Haus mit Garten, Teich, Bäumen und Blumen. Eltern und Kinder auf einer Wiese Ball spielend. Meine Bilderfamilien waren immer sehr groß. Oma, Onkel, Tanten, Freunde und gute Bekannte fanden sich auf meinen Bildern ein. Sie trugen immer ein Lächeln auf den Lippen. Ich wählte warme Farben, alle Regenbogenfarben und mied Schwarz, Grau und Blau. Mein Vater lobte mich jedes Mal für meine Werke. Von ihm lernte ich viel, was das Zeichnen betraf. In späteren Jahren habe ich seine Motive nachgezeichnet. Würde er meine Zeichnungen heute sehen, wäre er stolz auf mich. Er hätte ein großer Künstler werden können, aber die Versorgung der Familie ging vor.

Was bedeutet mir heute das Malen und Zeichnen? Haben mich frühere Erlebnisse geprägt?
Das Malen und Zeichnen ist eines meiner Hobbys geblieben. Dabei war das Lob von damals nicht ausschlaggebend. Ich beschäftigte mich immer wieder gern mit kreativen Dingen. Die Malerei vertiefte ich in einem vierjährigen Kunstkurs. Hier lernte ich alles, was von Wichtigkeit ist. Angefangen von Kohle über Bleistift, Graphit-, Bunt- und Aquarellstiften, Kreide, Gouache, Ölkreiden. Auch mit Werkzeugen experimentierten wir. Geblieben bin ich beim Buntstift. Meine Motive reichen von Landschaften, Tieren, Blumen, Obst und Formen. Alles ist dabei außer Gesichter und Personen.

Leuchtturm
Während meines vierjährigen Malkurses bekam ich einmal die Aufgabe, etwas perspektivisch aufs Papier zu bringen. Meine Vorlage war eine Postkarte, die eine Dünenlandschaft, einen Leuchtturm und den Himmel zeigte.
Meine Materialwahl: Aquarellstifte. In der linken Hand halte ich die Postkarte, in der rechten den Stift. Er gleitet cremig weich über das Aquarellpapier. Die Wolkenlandschaft gelingt mir gut, die Weite der Natur ist sichtbar, der Leuchtturm zeigt seine Rundungen und auch die Dünen und Gräser sind gut zu erkennen. Nach zwei Unterrichtsstunden trete ich zurück, betrachte mein Werk mit Abstand und bin zufrieden. Die typischen Farben des Bildes, welche ich wiedergeben sollte, gefielen mir nicht. Ich zeichne nicht gern mit kalten Farben, sondern bevorzuge warme Töne. Marianne, unsere Kunstlehrerin, fand mein Bild sehr gelungen. Ich bekam aber auch Kritik von ihr. Sie meinte, dass ich fotografisch male und dann könne ich ja gleich den Fotoapparat nehmen. „Verlier dich nicht im Detail!“, war ihre Schlussbemerkung.

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