Freitag, 7. September 2012

   
Kaethe Haase Kornstein
Werkreihe Malen
Margrit
Das könnte der dreizehnjährige Jochen sein
Im Moment ist Jochen etwas durcheinander. Er trauert um seine Großtante Elisabeth, die im Juli verstorben ist.
Kräftige braune Haare durchwoben mit diskreten blauen Streifen auf der rechten Kopfhälfte,  ordentlich gekämmt mit demselben bläulich gehaltenen Abschluss zur Stirnseite hin, deuten auf eine sorgsame Erziehung und fruchtvolle Substanz.
Sein Gesicht allerdings, nur schemenhafte Andeutungen von Mund, Nase, Augen, spiegeln Jochens Inneres wieder. Blasse, eher graue Töne, Linien, Flecken, die braun gehalten sind, aber auch bläulich, wie im Haar. Das rechte Ohr verschlossen.
Es ist der Tod, mit dem er so persönlich konfrontiert wird. Er verschließt Augen, Nase. Will nicht so genau hinschauen. Will den neuen Geruch nicht. Will nicht hören, was weh tut.
Das alles ist zu viel für Jochen. Rausschreien, alles, was in ihm ist? Das verbietet sich von selbst. Das passt nicht in diese alteingesessene Familie von der Elbchaussee, passt nicht zu seiner Elisabeth, die ihn von Geburt an mitgeprägt hat – hier, in dieser stilvollen Villa mit dem prächtig gestalteten Garten. 

Das Ohr
Das linke Ohr gibt mir eine andere Sicht, erzählt eine andere Geschichte: Das linke Ohr macht mir Mut. Als Ohrmuschel bezeichnen wir das Äußere. Von spitzen Ohren reden wir oder wir sagen „Ohren gespitzt“.
Und so sieht es auf dem Portraitbild aus. In dem Ohr spiegelt sich wieder, was Elisabeth ausgemacht hat. Positive Neugierde nennen wir es. Alles Prickelnde, Glänzende mitkriegen wollen über das Ohr. Die Helligkeit der Farbe sticht hervor, wie eine kostbare Perle. Wie Sekt, der perlt. Sensibilität und Lebenslust, Lachen, das erheitert, Musik, die erklingt. Ungebändigte Lebenskraft. Jochen ist noch jung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen