| Kaethe Haase Kornstein Werkreihe Malen |
Margrit
Das könnte der dreizehnjährige Jochen sein
Im
Moment ist Jochen etwas durcheinander. Er trauert um seine Großtante Elisabeth,
die im Juli verstorben ist.
Kräftige
braune Haare durchwoben mit diskreten blauen Streifen auf der rechten
Kopfhälfte, ordentlich gekämmt mit
demselben bläulich gehaltenen Abschluss zur Stirnseite hin, deuten auf eine
sorgsame Erziehung und fruchtvolle Substanz.
Sein
Gesicht allerdings, nur schemenhafte Andeutungen von Mund, Nase, Augen,
spiegeln Jochens Inneres wieder. Blasse, eher graue Töne, Linien, Flecken, die
braun gehalten sind, aber auch bläulich, wie im Haar. Das rechte Ohr
verschlossen.
Es
ist der Tod, mit dem er so persönlich konfrontiert wird. Er verschließt Augen,
Nase. Will nicht so genau hinschauen. Will den neuen Geruch nicht. Will nicht
hören, was weh tut.
Das
alles ist zu viel für Jochen. Rausschreien, alles, was in ihm ist? Das
verbietet sich von selbst. Das passt nicht in diese alteingesessene Familie von
der Elbchaussee, passt nicht zu seiner Elisabeth, die ihn von Geburt an
mitgeprägt hat – hier, in dieser stilvollen Villa mit dem prächtig gestalteten
Garten.
Das
linke Ohr gibt mir eine andere Sicht, erzählt eine andere Geschichte: Das
linke Ohr macht mir Mut. Als Ohrmuschel bezeichnen wir das Äußere. Von spitzen
Ohren reden wir oder wir sagen „Ohren gespitzt“.
Und
so sieht es auf dem Portraitbild aus. In dem Ohr spiegelt sich wieder, was
Elisabeth ausgemacht hat. Positive Neugierde nennen wir es. Alles Prickelnde,
Glänzende mitkriegen wollen über das Ohr. Die Helligkeit der Farbe sticht
hervor, wie eine kostbare Perle. Wie Sekt, der perlt. Sensibilität und
Lebenslust, Lachen, das erheitert, Musik, die erklingt. Ungebändigte
Lebenskraft. Jochen ist noch jung.
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