Wendula
Steine
Da liegen sie - auf der Fensterbank: bunt, glatt, gestreift und gepunktet. Steine, mitgebracht aus den verschiedensten Gegenden dieser Erde. Voll mit Erinnerungen sind sie - kann man das so sagen? Oder macht ihr Anblick Erinnerungen wach?
Da breitet sich plötzlich ein
steiniger Strand auf Patmos vor mir aus, bedeckt mit den schönsten, bunten
Steinen - wie poliert durch den leichten Wellengang leuchten sie und fordern zum
gezielten Einsammeln. Oder ich nehme den kugelrunden in die Hand. Schwarz wenn
er nass ist und jetzt müdegrau. Nach 100 mal Bücken aufgesammelt auf der Insel
Moen, immer in der Hoffnung, einen "Klöterstein" zu finden. Ohne
Erfolg - aber dieser in seiner runden Perfektion ist es wert,
aufbewahrt zu werden. Und der mit dem Loch? Am Strand von Heikendorf aufgehoben
um ihn einer Freundin, die daraus Ketten für ihren Balkon macht, zu bringen. Zu
spät - sie braucht ihn nicht mehr! Und die Bernsteine? In Kindertagen in den
Ferien auf dem Darss gefunden, zum Teil aus Muschelbänken ausgegraben und
wie Schätze bewacht. Und der, der wie rohes Hackfleisch aussieht und von einem
roten Band umschlossen ist - habe ich den nicht in Patagonien in einem Flussbett
gefunden, an einem sonnigen Tag, weit weg von jeglicher Zivilisation?
Steine sind Erinnerungshüter,
die in der Lage sind, eine ganz bestimmte Situation zum Leben zu erwecken.
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