Marlene
Ich will schreiben
lernen!
Ich
will schreiben lernen. Schreiben über das, was ich erlebe, was ich gut erzählen
kann. Aber Schreiben - irgendwie fehlt da mein stimmlicher Ausdruck, meine
Gestik, meine Mimik.
Erste
Erfahrungen beim Seminar „Biografisches Schreiben“:
Wir
sprechen über Themen wie zum Beispiel, was bedeutet Freundschaft für mich. Darüber
sollen wir dann spontan etwas schreiben, zwölf Minuten lang. Dann vorlesen, wenn
wir möchten - alle möchten meistens.
Ich
lese auch anderen mal vor, inzwischen hab ich schon eine kleine Sammlung von
Texten. Ich bin überrascht, wie gut es mir oft gelingt.
Wusste
nicht, dass ich das kann. Lerne mich wieder ein weiteres Stück neu kennen. Manchmal
fließen die Worte nur so aus mir heraus,
manchmal
geht es einfach nicht weiter.
Meine
eigentliche Intension ist ja, Geschichten aus meinem beruflichen Alltag als Altenpflegerin
zu schreiben. Merke aber zunehmend, dass sich berufliche Ereignisse und meine
ganz persönlichen Gedanken und Gefühle nicht wirklich trennen lassen. Wenn ich
bei dem Beispiel Freundschaft bleibe, so ist auch das durchaus auch ein
berufliches Thema. Zu den Menschen für die ich betreuerisch und pflegerisch
verantwortlich bin, entwickelt sich im Laufe der zum Teil recht langen gemeinsamen
Zeit, durchaus auch eine freundschaftliche Verbindung. Man kommt sich recht
nah, auch körperlich, spricht über intime Dinge wie Trauer und Schmerz.
Liebe
ist auch ein Thema, Aufmuntern, zum Lachen bringen, zusammen alte Lieder
singen. Auch mal die Wahrheit sagen und anschließend in den Arm nehmen. Ähnliche
Verbindungen wachsen auch im Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen. Unsere
Aufgaben gehen uns oft sehr nah. Die ständige Konfrontation mit körperlichen
und geistigen Defiziten, mit Leid und Sterben, erfordert ein hohes Maß an
sozialer Kompetenz. Dieser Beruf stellt ganz besonders hohe Anforderungen, die
wir nur mit Toleranz und besonderer Kollegialität meistern können. In den
Medien werden überwiegend negative Ereignisse heraus gestellt, das darf doch
nicht sein. Dass wir dennoch die Lust an dieser Aufgabe nicht verlieren, immer
noch den Situationen etwas Positives und Fröhliches abgewinnen können, das
möchte ich weiter tragen. Auch ein Stück in die Öffentlichkeit.
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