Dienstag, 5. März 2013


Marlene
Ich will schreiben lernen!

Ich will schreiben lernen. Schreiben über das, was ich erlebe, was ich gut erzählen kann. Aber Schreiben - irgendwie fehlt da mein stimmlicher Ausdruck, meine Gestik, meine Mimik.
Erste Erfahrungen beim Seminar „Biografisches Schreiben“:
Wir sprechen über Themen wie zum Beispiel, was bedeutet Freundschaft für mich. Darüber sollen wir dann spontan etwas schreiben, zwölf Minuten lang. Dann vorlesen, wenn wir möchten - alle möchten meistens.
Ich lese auch anderen mal vor, inzwischen hab ich schon eine kleine Sammlung von Texten. Ich bin überrascht, wie gut es mir oft gelingt.
Wusste nicht, dass ich das kann. Lerne mich wieder ein weiteres Stück neu kennen. Manchmal fließen die Worte nur so aus mir heraus,
manchmal geht es einfach nicht weiter.
Meine eigentliche Intension ist ja, Geschichten aus meinem beruflichen Alltag als Altenpflegerin zu schreiben. Merke aber zunehmend, dass sich berufliche Ereignisse und meine ganz persönlichen Gedanken und Gefühle nicht wirklich trennen lassen. Wenn ich bei dem Beispiel Freundschaft bleibe, so ist auch das durchaus auch ein berufliches Thema. Zu den Menschen für die ich betreuerisch und pflegerisch verantwortlich bin, entwickelt sich im Laufe der zum Teil recht langen gemeinsamen Zeit, durchaus auch eine freundschaftliche Verbindung. Man kommt sich recht nah, auch körperlich, spricht über intime Dinge wie Trauer und Schmerz.
Liebe ist auch ein Thema, Aufmuntern, zum Lachen bringen, zusammen alte Lieder singen. Auch mal die Wahrheit sagen und anschließend in den Arm nehmen. Ähnliche Verbindungen wachsen auch im Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen. Unsere Aufgaben gehen uns oft sehr nah. Die ständige Konfrontation mit körperlichen und geistigen Defiziten, mit Leid und Sterben, erfordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Dieser Beruf stellt ganz besonders hohe Anforderungen, die wir nur mit Toleranz und besonderer Kollegialität meistern können. In den Medien werden überwiegend negative Ereignisse heraus gestellt, das darf doch nicht sein. Dass wir dennoch die Lust an dieser Aufgabe nicht verlieren, immer noch den Situationen etwas Positives und Fröhliches abgewinnen können, das möchte ich weiter tragen. Auch ein Stück in die Öffentlichkeit. 

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