Dienstag, 19. März 2013


Wendula
Fundstück am Wegesrand

Es gießt, es weht, es ist kalt und fast dunkel. Ottensen, wie immer, belebt von heute nassen, über die Straße eilenden Menschen. Alle gucken auf den Boden, ich auch. Mein Blick fällt in den Rinnstein: Blätter, Papierschnipsel, Kippen und ein kleines Blitzen, wenn ein Auto vorbeifährt. Ich bücke mich und wurschtel einen Moment im Dreck. An einer braunen, dünnen Schnur ziehe ich ein winziges Nilpferd aus der Gosse. Mit einem Taschentuch wird es erst mal vom Schmutz befreit. Es ist aus Messing, ganz naturalistisch und irgendwie rührt es mich beinah zu Tränen. Vielleicht weil ich mir vorstelle, dass es als Talisman jetzt vermisst wird oder weil ich gerade im Museum für Kunst und Gewerbe im Rahmen der Mumienausstellung mit der Bemalung von 100 kleinen Figürchen, einer Mischung aus Nilpferd und Krokodil beschäftigt bin? Ist es vielleicht ein Zeichen, mit der etwas mühseligen Arbeit im Museum weiterzumachen oder habe ich durch diese Beschäftigung ein besonderes Verhältnis zu Nilpferden entwickelt? Auf jeden Fall findet es bei mir eine gepflegte Herberge in meiner Handtasche. Es wird gerieben, ab und zu auch mal an die Luft gebracht und dafür dankt es mir mit einem goldfarbenen Glänzen.

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