Wendula
Fundstück am
Wegesrand
Es
gießt, es weht, es ist kalt und fast dunkel. Ottensen, wie immer, belebt von
heute nassen, über die Straße eilenden Menschen. Alle gucken auf den Boden, ich
auch. Mein Blick fällt in den Rinnstein: Blätter, Papierschnipsel, Kippen und
ein kleines Blitzen, wenn ein Auto vorbeifährt. Ich bücke mich und wurschtel
einen Moment im Dreck. An einer braunen, dünnen Schnur ziehe ich ein winziges
Nilpferd aus der Gosse. Mit einem Taschentuch wird es erst mal vom Schmutz
befreit. Es ist aus Messing, ganz naturalistisch und irgendwie rührt es mich
beinah zu Tränen. Vielleicht weil ich mir vorstelle, dass es als Talisman jetzt
vermisst wird oder weil ich gerade im Museum für Kunst und Gewerbe im Rahmen
der Mumienausstellung mit der Bemalung von 100 kleinen Figürchen, einer
Mischung aus Nilpferd und Krokodil beschäftigt bin? Ist es vielleicht ein
Zeichen, mit der etwas mühseligen Arbeit im Museum weiterzumachen oder habe ich
durch diese Beschäftigung ein besonderes Verhältnis zu Nilpferden entwickelt?
Auf jeden Fall findet es bei mir eine gepflegte Herberge in meiner Handtasche.
Es wird gerieben, ab und zu auch mal an die Luft gebracht und dafür dankt es
mir mit einem goldfarbenen Glänzen.
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