Ursula
Die
Nebenstraße
Ich bog in eine
Nebenstraße ein. Zäune und Hecken trennten die Grundstücke vom Gehweg. In einer
dichten Ligusterhecke entdeckte ich eine angelehnte Gartentür und ich verspürte
das Verlangen einzutreten.
Eine weite Rasenfläche füllt den gesamten
Innenraum des dicht umwachsenen Gartens. Es ist englischer Rasen ohne jede
Blüte und ohne ein Pflänzchen, das kein Halm ist. In der südlichen Ecke gibt es
eine dunkelgrau gepflasterte, blankpolierte, großzügige Terrasse. Sie glänzt
wie ein Spiegel in der Sonne. Italienische, eiserne Gartenmöbel stehen unter
einem ausladenden Sonnenschirm. Sofas und Sessel sind bestückt mit
Rosenmusterkissen aus Leinen. Der Tisch ist gedeckt. Frischer Kaffeeduft dampft
mir um die Nase. Fettglänzende Sahnetorte schmückt sich mit roten Erdbeeren und
wartet darauf verzehrt zu werden.
Mein Magen knurrt, schließlich habe ich
seit Stunden nichts mehr zu mir genommen. Die Stimmung ist einladend,
wohlhabend und friedvoll. Die warme Sonne bescheint das Rund und lädt mich zum
Niedersetzen ein. Ich nehme Platz neben einem üppig blühenden Hortensienbusch,
der in einem rotbraunen Terrakottatopf sein gepflegtes Dasein genießt.
Eine Dame, in lichtblaue Seide gekleidet,
betritt den Garten und sagt: „Auf dich habe ich schon lange gewartet.“
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