Mittwoch, 15. Oktober 2014

Die Nebenstraße



Ursula
Die Nebenstraße

Ich bog in eine Nebenstraße ein. Zäune und Hecken trennten die Grundstücke vom Gehweg. In einer dichten Ligusterhecke entdeckte ich eine angelehnte Gartentür und ich verspürte das Verlangen einzutreten.
Eine weite Rasenfläche füllt den gesamten Innenraum des dicht umwachsenen Gartens. Es ist englischer Rasen ohne jede Blüte und ohne ein Pflänzchen, das kein Halm ist. In der südlichen Ecke gibt es eine dunkelgrau gepflasterte, blankpolierte, großzügige Terrasse. Sie glänzt wie ein Spiegel in der Sonne. Italienische, eiserne Gartenmöbel stehen unter einem ausladenden Sonnenschirm. Sofas und Sessel sind bestückt mit Rosenmusterkissen aus Leinen. Der Tisch ist gedeckt. Frischer Kaffeeduft dampft mir um die Nase. Fettglänzende Sahnetorte schmückt sich mit roten Erdbeeren und wartet darauf verzehrt zu werden.
Mein Magen knurrt, schließlich habe ich seit Stunden nichts mehr zu mir genommen. Die Stimmung ist einladend, wohlhabend und friedvoll. Die warme Sonne bescheint das Rund und lädt mich zum Niedersetzen ein. Ich nehme Platz neben einem üppig blühenden Hortensienbusch, der in einem rotbraunen Terrakottatopf sein gepflegtes Dasein genießt.
Eine Dame, in lichtblaue Seide gekleidet, betritt den Garten und sagt: „Auf dich habe ich schon lange gewartet.“


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