Sonntag, 28. Dezember 2014

Stiefel



Renate
Stiefel

In jungen Jahren ergab sich für uns unverhofft eine Reise nach Oberbayern. Noch nie waren wir Flachländer so eingeschränkt in unserem Blick, aber gleichzeitig öffneten sich neue Welten, die erkundet werden wollten.
Groß war der Wunsch die Berge zu erwandern. Stolz blickten sie auf uns herab. Mit Hilfe unserer Wirtsleute rüsteten wir uns aus mit Jacken, Rucksack und vor allem Stiefeln. Unsere Vorstellung davon wurde bald ad absurdum geführt. Im Schuladen schleppte die Verkäuferin riesige Kartons heran mit grobgeformten, sehr robustem Schuhwerk, das durch Futter erstaunlich gut am Fuß lag. Dickes Kuhleder bildete die harte Deckschicht, während die Sohle aus tief eingeschnittenen Stollen bestand, das Ganze außen auf Rand genäht. Dazu endlose Schnürbänder und Haken.
Bei einer Rast bissen mir zudringliche Schafe einen Senkel durch. Ein durchbissener Senkel macht im Gebirge einigermaßen hilflos, denn der Stiefel muss fest sitzen.
In vielen Urlaubsjahren haben wir unsere ersten Stücke regelrecht zerklettert, und jede Wanderung ist mir noch in Erinnerung.
Die nächste Stiefelgeneration war später aus neuem Material, schlank und weich gearbeitet, mit Spezialsohle. Mit ihnen ging es noch lange bergauf, bergab.

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