Renate
Stiefel
In
jungen Jahren ergab sich für uns unverhofft eine Reise nach Oberbayern. Noch
nie waren wir Flachländer so eingeschränkt in unserem Blick, aber gleichzeitig
öffneten sich neue Welten, die erkundet werden wollten.
Groß
war der Wunsch die Berge zu erwandern. Stolz blickten sie auf uns herab. Mit
Hilfe unserer Wirtsleute rüsteten wir uns aus mit Jacken, Rucksack und vor
allem Stiefeln. Unsere Vorstellung davon wurde bald ad absurdum geführt. Im
Schuladen schleppte die Verkäuferin riesige Kartons heran mit grobgeformten,
sehr robustem Schuhwerk, das durch Futter erstaunlich gut am Fuß lag. Dickes
Kuhleder bildete die harte Deckschicht, während die Sohle aus tief
eingeschnittenen Stollen bestand, das Ganze außen auf Rand genäht. Dazu endlose
Schnürbänder und Haken.
Bei
einer Rast bissen mir zudringliche Schafe einen Senkel durch. Ein durchbissener
Senkel macht im Gebirge einigermaßen hilflos, denn der Stiefel muss fest
sitzen.
In
vielen Urlaubsjahren haben wir unsere ersten Stücke regelrecht zerklettert, und
jede Wanderung ist mir noch in Erinnerung.
Die nächste Stiefelgeneration war später aus neuem
Material, schlank und weich gearbeitet, mit Spezialsohle. Mit ihnen ging es
noch lange bergauf, bergab.
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