Wendula
Ich
bin darauf vorbereitet. Ursprünglich hatte ich keine Lust auf Halloween-Kinder
und überlegte schon, ob ich die Lampen zur Straße ausschalten sollte, aber
dieses Jahr hatte ich beim Aufräumen verschiedenen Tüten mit Gummibärchen und
Lakritzschnecken gefunden und fand: „Das wäre doch die ideale Verwendung!“
Es
wird dunkel – das Warten beginnt. Nichts passiert – komisch – es wohnen doch
ziemlich viele Kinder in unserer Straße. Die Lampen sind dieses Jahr
angeknipst, ein deutliches Zeichen: Da ist jemand zu Hause. In der Küche liegen
kleine abgepackte Tüten und warten genau wie ich. Die Zeit läuft, bald müsste
ich Hamburg-Journal sehen. Ob so spät überhaupt noch Kinder kommen werden? Ich
guck mal aus dem Fenster – draußen kein Getuschel und Gekicher, alles ist ganz
still. Nun gut, dann eben nicht.
Da
plötzlich ein lang anhaltendes, forderndes Klingeln. Ich freu# mich richtig und
drücke auf die Gegensprechanlage und höre, dass da Kinder diskutieren. Ich
möchte ja so gerne meine Tüten loswerden, also lasse ich die Halloween-Kinder
ins Treppenhaus. Sie stürmen die Treppe hoch und erschrecken mich mit
weißgeschminkten Gesichtern, mit Hörnern auf dem Kopf, schwarzen
Gespensteraugen und weißen Skeletten auf schwarzen T-Shirts. Ganz lieb stehen
sie vor mir, zwei Jungs und drei Mädchen und ich warte auf ihre Gedichte.
„Ja,
nun mal los! Ihr wollt doch was aufsagen, oder?“ Sie reagieren eher
verschüchtert und erst, als ich sie frage, ob ich ein Foto machen dürfte, tauen
sie auf. Aber ein Gedicht kommt auch jetzt nicht. Höflich bedanken sie sich,
als sie mit den Tüten zufrieden abziehen.
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