Samstag, 21. Februar 2015

Es klingelt an der Tür



Wendula

Ich bin darauf vorbereitet. Ursprünglich hatte ich keine Lust auf Halloween-Kinder und überlegte schon, ob ich die Lampen zur Straße ausschalten sollte, aber dieses Jahr hatte ich beim Aufräumen verschiedenen Tüten mit Gummibärchen und Lakritzschnecken gefunden und fand: „Das wäre doch die ideale Verwendung!“
Es wird dunkel – das Warten beginnt. Nichts passiert – komisch – es wohnen doch ziemlich viele Kinder in unserer Straße. Die Lampen sind dieses Jahr angeknipst, ein deutliches Zeichen: Da ist jemand zu Hause. In der Küche liegen kleine abgepackte Tüten und warten genau wie ich. Die Zeit läuft, bald müsste ich Hamburg-Journal sehen. Ob so spät überhaupt noch Kinder kommen werden? Ich guck mal aus dem Fenster – draußen kein Getuschel und Gekicher, alles ist ganz still. Nun gut, dann eben nicht.
Da plötzlich ein lang anhaltendes, forderndes Klingeln. Ich freu# mich richtig und drücke auf die Gegensprechanlage und höre, dass da Kinder diskutieren. Ich möchte ja so gerne meine Tüten loswerden, also lasse ich die Halloween-Kinder ins Treppenhaus. Sie stürmen die Treppe hoch und erschrecken mich mit weißgeschminkten Gesichtern, mit Hörnern auf dem Kopf, schwarzen Gespensteraugen und weißen Skeletten auf schwarzen T-Shirts. Ganz lieb stehen sie vor mir, zwei Jungs und drei Mädchen und ich warte auf ihre Gedichte.
„Ja, nun mal los! Ihr wollt doch was aufsagen, oder?“ Sie reagieren eher verschüchtert und erst, als ich sie frage, ob ich ein Foto machen dürfte, tauen sie auf. Aber ein Gedicht kommt auch jetzt nicht. Höflich bedanken sie sich, als sie mit den Tüten zufrieden abziehen.

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