Sonntag, 17. Mai 2015

Museumsnacht 2



Ursula

Es ist eine Beschäftigung, ein Zeitvertreib, manchmal eine Notwendigkeit, die in den letzten 50 Jahren abhanden gekommen ist. Wir stellen keine Spitzenbordüren, Deckchen, Kragen und andere Verzierungen mit Garn und Faden mehr her.
In der Zeit als noch Kerzen, Petroleumfunzeln und später Gaslampen die Zimmer schwach erleuchteten, saßen Frauen und Mädchen abends beieinander, erzählten Geschichten, sangen und raunten sich den neuesten Klatsch zu. Dabei wurde gehandarbeitet. Die Aussteuerwäsche bekam Monogramme, die Plumeau- und Kissenbezüge Einsätze aus gehäkelten und gestrickten Spitzenstreifen.
Gewiss, gehandarbeitet wird noch immer. Näharbeiten, Pullover stricken und Kuscheltiere sticheln erfreuen sich großer Beliebtheit. Zierdeckchen, wie sie früher in jedem besseren Haushalt zu finden waren, stellt niemand mehr her.
Kleine Spitzendeckchen wurden oft dutzendweise gearbeitet und zwischen Teller und Schüsseln platziert, um das Dekor des „guten“ Geschirrs zu schonen. Oder sie lagen unter den Vasen auf dem Vertiko, wo die feinen Handarbeiten von Besuchern bewundert wurden.
Die Klapperdeckchen, so nannte man die 10 bis 15 cm großen zarten Gebilde, wurden in den unterschiedlichsten Handarbeitsarten hergestellt. Es wurde gestrickt, gehäkelt und geklöppelt, es gab Richelieu-, Netz-, Tüll-, Loch- und Hohlsaumarbeiten, Gabelspitzen und Hardanger-Stickerei und vieles mehr.
Jedes dieser in vielen Arbeitsstunden hergestellten kleinen Kunstwerke war und ist ein Unikat. Selbst wenn die Mustervorlagen dieselben waren, hatte doch jede Handarbeiterin ihre eigene Werkmethode, so dass sich die Deckchen  in Nuancen unterschieden.
Heute benötigen wir keine Schondeckchen mehr und als Ziergegenstände sind sie längst aus der Mode. Etliche Handarbeiten unserer Mütter und Großmütter überdauerten den schnelllebigen Zug der Zeit und ringen uns ob ihrer Kunstfertigkeit Erstaunen ab.

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