Ursula
Es
ist eine Beschäftigung, ein Zeitvertreib, manchmal eine Notwendigkeit, die in
den letzten 50 Jahren abhanden gekommen ist. Wir stellen keine Spitzenbordüren,
Deckchen, Kragen und andere Verzierungen mit Garn und Faden mehr her.
In
der Zeit als noch Kerzen, Petroleumfunzeln und später Gaslampen die Zimmer
schwach erleuchteten, saßen Frauen und Mädchen abends beieinander, erzählten
Geschichten, sangen und raunten sich den neuesten Klatsch zu. Dabei wurde
gehandarbeitet. Die Aussteuerwäsche bekam Monogramme, die Plumeau- und
Kissenbezüge Einsätze aus gehäkelten und gestrickten Spitzenstreifen.
Gewiss,
gehandarbeitet wird noch immer. Näharbeiten, Pullover stricken und Kuscheltiere
sticheln erfreuen sich großer Beliebtheit. Zierdeckchen, wie sie früher in
jedem besseren Haushalt zu finden waren, stellt niemand mehr her.
Kleine
Spitzendeckchen wurden oft dutzendweise gearbeitet und zwischen Teller und
Schüsseln platziert, um das Dekor des „guten“ Geschirrs zu schonen. Oder sie
lagen unter den Vasen auf dem Vertiko, wo die feinen Handarbeiten von Besuchern
bewundert wurden.
Die
Klapperdeckchen, so nannte man die 10 bis 15 cm großen zarten Gebilde, wurden
in den unterschiedlichsten Handarbeitsarten hergestellt. Es wurde gestrickt,
gehäkelt und geklöppelt, es gab Richelieu-, Netz-, Tüll-, Loch- und Hohlsaumarbeiten,
Gabelspitzen und Hardanger-Stickerei und vieles mehr.
Jedes
dieser in vielen Arbeitsstunden hergestellten kleinen Kunstwerke war und ist
ein Unikat. Selbst wenn die Mustervorlagen dieselben waren, hatte doch jede
Handarbeiterin ihre eigene Werkmethode, so dass sich die Deckchen in Nuancen unterschieden.
Heute
benötigen wir keine Schondeckchen mehr und als Ziergegenstände sind sie längst
aus der Mode. Etliche Handarbeiten unserer Mütter und Großmütter überdauerten
den schnelllebigen Zug der Zeit und ringen uns ob ihrer Kunstfertigkeit
Erstaunen ab.
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