Ilse
Wir
treffen uns zum Schreiben im Bucerius Kunst Forum. Bevor wir in die
Ausstellungsräume gehen, schauen wir uns den Film zu Miró und seinen Werken an.
Beim
Betreten des Vorführraumes fällt mein Blick auf ein riesengroßes blaues Gebilde
an der Leinwand. Durch meinen Kopf schießt sofort ein Gedanke und das Wort
„Gehirn“ kommt über meine Lippen.
Dieses
Bild hängt in der Ausstellung und ich betrachte es mir näher.
Ein
riesengroßes, kopfartiges Gebilde füllt beinahe die ganze Leinwand aus.
Schütter sind die wenigen Haare auf der Stirn. Hirnwindungen dicht an dicht in
blaugrauen Farbtönen. Das Bild ist durch ein schwarzes Kreuz in vier Felder
geteilt. Das Denken vermute ich unten rechts, es fällt mir besonders auf. Es
schiebt sich in den Vordergrund. Aus einem schwarzen Punkt fallen Buchstaben
heraus. Sie tanzen über das Areal und wirken wie Erinnerungen an eine Reise.
Eine Reise nach R o M, in die Hauptstadt Italiens? Oder bilden die Buchstaben
das Wort R o c K? Hatte der Maler den Rock einer Frau im Sinn, die über den
Buchstaben unbekleidet vor seinen Augen schwebt? Die Figur strahlt durch ihren
roten Kopf, ihre leuchtend gelben Brüste, den weißen, unberührt wirkenden Bauch
und tanzt vor dem Betrachter des Bildes auf schlanken Beinen.
Gefühle
werden in mir geweckt. Sie wühlen mich auf. Gedanken bewegen sich wie die
prickelnden Sterne, die dieses Gehirnareal durchziehen.
Erst
jetzt schaue ich auf den Titel des Bildes: Amour - Liebe, 1926 gemalt nach dem
Gedicht von Arthur Rimbaud „Les voyelles“: Die Vokale.
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