Freitag, 12. Juni 2015

Schreiben in der Ausstellung



Brigitte

Rauer Zement -  die harschen Worte der Aufsicht, Ärger, der uns begleitet.
Fugenmasse, grob aufgetragen, Bewegung in schiefen Schleifen. Struktur finden im ersten Durcheinander. Hier lernen wir Improvisation. Erregung wird Kunst.
An der Wand: Nachtgedanken. Die Zeit der Diktaturen. Das Bild: Sommer 1936. Angst und Wut werden Kunst.
Die Kinder haben den Platz vor der Tänzerin verlassen. Den Hall des hohen Raumes durchdringt die Stimme der Kunsthistorikerin auf einer Skala von eins bis sechs. Und jetzt am Maximum: Der Warnton der Sicherung, ausgelöst durch den Fuß einer Betrachterin.
Fuß im Zement der Baustelle, auf der keine Kinder spielen dürfen. Und doch finde ich überall ihre Zeichen, Kringel, Halbkreise, Striche, grob und fein. Wo ist der Abdruck der kleinen Hand, die auf das Bild patscht – unbeaufsichtigt?

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