Maren
Bereits
am Abend werde ich aus meinem Kasten gezogen. Die anderen Wanderkarten können
mir nur noch einen kurzen Gruß hinterher rufen und einige launige Anmerkungen mit
auf den Weg geben wie ‚Lass dich nicht falsch knicken!‘ oder ‚Pass auf
Schweißfinger auf!‘.
Ich
verschwinde im tiefen Dunkel eines Rucksacks. Den Morgen erlebe ich schaukelnd,
anscheinend auf dem Rücken der Wanderin. An Ausruhen ist jetzt nicht mehr zu
denken. Ich werde hervorgeholt und wohlwollend betrachtet. Auf mir sind 20 Quadratmeter
dargestellt, fein durchästelt mit Straßen, Wegen und farbigen Flächen, die
Gebäude, Feld oder Wald darstellen. Ich schaue nach oben in die geübten Augen
der Betrachterin.
Nach
einer Stunde werde ich erneut zu Rate gezogen, dieses Mal nicht mehr so
wohlwollend. Auch das Zusammenfalten wird zunehmend robuster. Zur Mittagzeit
werde ich ins Gras gelegt. Laufkäfer hasten über mich, ein kleiner Wurm
beginnt, sich in einem Falz niederzulassen. Ich nutze einen Windhauch und
fliege den Hang hinunter. Energisch wird meine Reise durch einen festen Griff
unterbrochen. Ich bin jetzt fast zerknickt und bekomme eingerollt einen recht
beengten Platz neben der inzwischen leeren Wasserflasche im Seitenfach des
Rucksacks. Im Laufe des Tages verschlechtert sich meine Lage, ich sehe keinen
freundlichen Blick mehr. Das ratlose Hin-und Herwenden verunsichert selbst
mich, obwohl ich genau weiß, dass meine geografische Darstellung richtig ist.
Ein kleiner Riss seitlich am unteren Ende macht mir zusätzlich zu schaffen.
Außerdem höre ich Flüche, die ich aber nicht wiedergeben möchte. Am Abend endet
die Tour, ich werde wieder zwischen den anderen Karten einsortiert, gebe mich
dabei recht sperrig. Wie gut, dass ich lange Zeit Ruhe haben werde. Meine
Strecke ist gegangen und soll nicht wiederholt werden, wie ich vorhin aus der
Wanderbesprechung gehört habe.
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