Lotti
Die
erste Uhr in meinem Leben war Opas Ticktack. Die war groß und blank, hing an
einer Kette und machte Geräusche am Ohr. Ein paar Jahre später war der Wecker
interessant, er konnte rasseln.
Als
ich während des Krieges bei meinen hessischen Großeltern war, schlief ich bei
ihnen im Schlafzimmer. Dort hing ein Monster von Uhr an der Wand. Rund und mit
zwei schweren Gewichten versehen, die aussahen wie Tannenzapfen. Sie hingen an
Ketten und wurden jeden Abend von meinem Großvater hochgezogen, was ziemlich
rasselte. Bis auf die Zipfelmütze sah er dabei aus wie der Onkel der „Frommen
Helene“ von Wilhelm Busch. Meine Großmutter lachte über ihn. Sie fand ihn in
seinem „Sterbehemde“ komisch, was ihn wütend machte. Mein Wecker war morgens um
5 Uhr meine Großmutter. Um 6:04 Uhr ging der Zug von unserem kleinen Ort nach
Bad Hersfeld zum Lyzeum. Einige Mädchen bekamen Armbanduhren zur Konfirmation
geschenkt.
In
meiner hessischen Kinderzeit auf dem Land gab die Sonne im Sommer die Zeit an,
mittags der Magen und abends die Dämmerung. Im Winter die Lampen am Bahndamm,
wo wir radelten bis es dunkel wurde. Was Uhr und Kalender betrifft bin ich ein
Preuße.
In
einem plattdeutschen Lied heißt es: „De Tied, dat Oos, de lopt so gau, dreis di
um sind diene Hoor all grau.“ Das kann ich nur bestätigen.
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