Dienstag, 8. Dezember 2015

Ausstellung eines Wohnzimmers



Ilse

Das Wohnzimmer im Puppenhaus spiegelt die Welt der Erwachsenen wider. Im Spiel, vielleicht sogar unter Aufsicht und Anleitung der Mutter oder der Großmutter, sollte die Puppenmutter auf ihr späteres Leben vorbereitet werden.
Blümchentapete an der Wand, Spitzengardinen vor dem Fenster bilden den Rahmen für die Einrichtung wie bei den Großen. Florentiner Tüll, der nach dem Waschen im Frühjahr mit Tee eingefärbt wurde, damit die Gardine in Altweiß getönt nach dem Aufhängen die Sicht in das Haus verhindert. Der Sessel am kleinen runden Tisch gebührt dem Vater. Dort liegen seine Rauchwaren. Sie riecht beinahe den Tabak, den Duft, der sich im Zimmer ausbreitet, wenn der Vater genüsslich an seiner Pfeife zieht.
Tisch und Stühle stehen mitten im Raum. Dort versammelt sich die Familie zu gemeinsamen Tun am Abend, wenn das Feuer im großen Kachelofen Wärme im Raum verbreitet. Die Briketts und Eierkohlen liegen gut verstaut in dem Kohlenkasten aus Metall.
Sie hört die Stimme des Nachrichtensprechers aus dem Volksempfänger, dem kleinen Radiokasten. Manchmal setzt der Vater das Grammophon in Gang. Für jede Platte, die er abspielt, muss die Nadel im Tonarm gewechselt werden. Eine Nadel, die laut oder eine Nadel, die mit leisen Tönen die Musik aus den Rillen der dicken Schellackplatten lockt. Zweihundert Stück davon liegen in einer bunt dekorierten Nadeldose. Eifrig dreht der Vater die Kurbel am Kasten. Handarbeit ist Voraussetzung, bevor das Werk im Inneren des Grammophons seine Arbeit tut. Mit Strom läuft im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts noch kein Apparat dieser Art.
Dicht nebeneinander liegen im Eidelstedter Heimatmuseum die Welt der Erwachsenen und die Welt der Kinder.um 1900. Nur zwei Türen voneinander getrennt.
Der Zeitraum, aus dem die Dinge der Erinnerungen stammen, ist viel größer. Sie schaut in die Poesiealben des 19. Jahrhunderts und entdeckt den Sandmann von 1970 aus der ehemaligen DDR (Deutsche Demokratische Republik). Die Keulen aus ihrem Sportunterricht um 1960 fallen ihr ebenso ins Auge wie die Melkmaschine aus dem Jahre 1938. Jedes Ding hat seine Geschichte und erzählt vom Leben und Treiben vergangener Zeit. Im Vergleich zum Heute kann sie ermessen, was sich verändert hat und von den Menschen technisch weiter entwickelt wurde.
Sie denkt, die gute alte Zeit, ihre Geschichten klingen romantisch. Doch sie weiß, die Arbeit forderte die Menschen hart.
Vielleicht genossen die Menschen gerade deshalb die Gemeinsamkeit und die Stunden der Muße im Familienkreis. Ohne Häkel- oder Stickarbeit in den Fingern der Frauen ging es trotzdem nicht. Davon zeugen das Tischtuch und die vielen Deckchen im Wohnzimmer.

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