Freitag, 4. Dezember 2015

Winter



Elfriede

Längst neigte sich der Sommer dem Ende zu. Weizen und Roggen waren gemäht und alles wurde auf Leiterwagen geladen und so hoch gestapelt, wie es nur irgend ging. Zuletzt, ein paar Wochen später, war der Hafer dran. In der großen Scheune traf man Vorbereitungen das Getreide zu dreschen. Nach ein paar Wochen war alles fertig. Große Säcke, mit den verschiedensten Sorten Getreide, standen bereit, um zur Mühle gebracht und gemahlen zu werden. Das wertvolle Korn kam dann als Mehl zurück.
Zu Weinachten ging das Backen in der gemütlichen Wohnküche los, wo ich als Kind immer gern dabei war, weil es ja immer was zu naschen gab. Beim Schein einer Petroleumlampe, die abends immer brannte, war in der Küche reger Betrieb. Der riesige Backofen wurde mit Holz angeheizt, um dann in der Glut die schönsten Kuchen zu backen. Gleichzeitig nutzte man die Hitze zum Brotbacken aus. Schon längst war der Herbst mit seinem wunderschönen Laub durch die Lande gestrichen, wo niemand so genau wusste, wer der Maler dieser schönen Pracht war. Auch ein paar Mäuse liefen über den Weg, immer auf der Suche nach Futter, um sich noch vor dem Winter ein wenig Speck anzufressen.
Eines Morgens war es dann so weit. Als ich aus dem Fenster sah, war alles weiß. Raureif hatte die Landschaft verzaubert. Die kahlen Bäume sahen aus, als wären sie mit weißem Zucker überzogen. Nur ein paar Krähen flogen von Ast zu Ast und verständigten sich mit lautem Krah-krah. Im Haus war schon alles auf Weinachten vorbereitet, Berge von Keksen und Pfefferkuchen lagen in großen Blechdosen bereit .
Abends im Wohnzimmer am warmen Kachelofen gab es noch eine andere Petroleumlampe, die viel größer war und auch mehr Licht spendete.
Da kommt wieder die Erinnerung, wenn ich hier im Museum die alten Dinge sehe. Vor mir diese wunderbare Lampe, die mir als Kind immer das warme Licht am Abend spendete. Wenn die Familie am Abend beisammen saß, die Mutter  am Spinnrad und die Kinder zupften die Schafwolle, um sie ganz locker zum Spinnen vorzubereiten. Mehrstimmig sangen wir die schönsten Volks- und  Weihnachtslieder. Es war immer eine Überraschung, was aus der Wolle gestrickt wurde und später unter dem Tannenbaum lag. Waren es Strümpfe, ein Schal oder sogar ein Pullover? Einmal bekam ich als Kind einen aus Wolle gestrickten Teddybären - war das eine Freude!

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