Renate
Der
Kollege hatte sich zwanzig Jahre für die Firme abgerackert, war Tag für Tag
pünktlich am Platz gewesen. Krankheiten hatte er sich versagt oder arbeitend
auskuriert. Alle meinten, nun wäre es Zeit für eine große Feier. Die Firma
steuerte ein Scherflein dazu und ein passendes Lokal wurde angemietet. Lobreden
und Hochrufe prasselten auf ihn ein, immer wieder klangen die Gläser und er
fühlte sich so recht glücklich als Hauptperson.
Die
Gruppe vom Ecktisch wollte ihm eine besondere Überraschung bereiten. In der
Nähe gastierte ein kleiner Zirkus und zwei der Gäste überredeten den Direktor,
für zwanzig Mark mit dem einzigen Kamel in der Gaststube zu erscheinen.
Gesagt,
getan. Der Eingang bestand aus einem kleinen Windfang mit Außen- und Innentür.
Der Direktor schob das Kamel durch die erste Tür, doch es kam nicht recht
weiter. Zwischen beiden Türen blieb es mit den Höckern hängen. So streckte es
immerhin seinen Kopf auf dem langen Hals in das Lokal und röhrte. Alle waren
begeistert und jemand begann es mit belegten Brötchen zu füttern. Zunächst
zermahlte es brav die neue Kost, dann aber schien der Belag nicht passend und
es tat, was Kamele gemeinhin tun: Es spuckte. Ein Gast bot ihm ein Bier zum
Nachspülen an. Leider entsprach das Getränk nicht seinem Geschmack und es
prustete alles halbkreisförmig von sich.
Die
Gäste im Saal kreischten und sprangen auf, das Kamel geriet in Panik und
versuchte trampelnd hinauszukommen. Es musste nun rückwärts und wegen seiner
Höcker geduckt gehen, was es, erschrocken wie es war, nicht begriff und etliche
große Angstfladen in den Windfang setze. Mit Mühe und vereinter Kraft schob man
das arme schäumende Tier hinaus, danach war die Bedienung mit dem Beseitigen
der duftenden Haufen beschäftigt.
Das Echo bei dem Geehrten fiel zwiegespalten
aus. Alle Übrigen hatten sich köstlich amüsiert.
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