Samstag, 16. Januar 2016

Das Firmenjubiläum



Renate

Der Kollege hatte sich zwanzig Jahre für die Firme abgerackert, war Tag für Tag pünktlich am Platz gewesen. Krankheiten hatte er sich versagt oder arbeitend auskuriert. Alle meinten, nun wäre es Zeit für eine große Feier. Die Firma steuerte ein Scherflein dazu und ein passendes Lokal wurde angemietet. Lobreden und Hochrufe prasselten auf ihn ein, immer wieder klangen die Gläser und er fühlte sich so recht glücklich als Hauptperson.
Die Gruppe vom Ecktisch wollte ihm eine besondere Überraschung bereiten. In der Nähe gastierte ein kleiner Zirkus und zwei der Gäste überredeten den Direktor, für zwanzig Mark mit dem einzigen Kamel in der Gaststube zu erscheinen.
Gesagt, getan. Der Eingang bestand aus einem kleinen Windfang mit Außen- und Innentür. Der Direktor schob das Kamel durch die erste Tür, doch es kam nicht recht weiter. Zwischen beiden Türen blieb es mit den Höckern hängen. So streckte es immerhin seinen Kopf auf dem langen Hals in das Lokal und röhrte. Alle waren begeistert und jemand begann es mit belegten Brötchen zu füttern. Zunächst zermahlte es brav die neue Kost, dann aber schien der Belag nicht passend und es tat, was Kamele gemeinhin tun: Es spuckte. Ein Gast bot ihm ein Bier zum Nachspülen an. Leider entsprach das Getränk nicht seinem Geschmack und es prustete alles halbkreisförmig von sich.
Die Gäste im Saal kreischten und sprangen auf, das Kamel geriet in Panik und versuchte trampelnd hinauszukommen. Es musste nun rückwärts und wegen seiner Höcker geduckt gehen, was es, erschrocken wie es war, nicht begriff und etliche große Angstfladen in den Windfang setze. Mit Mühe und vereinter Kraft schob man das arme schäumende Tier hinaus, danach war die Bedienung mit dem Beseitigen der duftenden Haufen beschäftigt.
 Das Echo bei dem Geehrten fiel zwiegespalten aus. Alle Übrigen hatten sich köstlich amüsiert.

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