Donnerstag, 25. Februar 2016

Wie Ohren ihren Menschen Erfolg verschaffen - Geschrieben aus Sicht eines Ohres am Fallbeispiel



Peter

„Sicht“ hört sich –von einem Ohr gesagt– zwar anmaßend an, aber ich meine es gefühlsmäßig, denn manchmal arbeite ich auch im Team mit anderen Sinnesorganen, Augen oder Nase zusammen. Wir alle werden oberflächlich nur als gefühlslose Transporteure von Ereignissen, als Zuträger für die große innere Datenbank und Schaltzentrale eingeschätzt, welche die Menschen als Gehirn bezeichnen. Mir Hör-Tentakel an der Peripherie meines persönlichen Menschen wird gelegentlich auch nachgesagt, dass Gehörtes einfach zu meinem Zwillingsohr durchrutscht und dort wieder ungenutzt ins Freie austritt, ohne scheinbar von den grauen Kitteln im Hauptarchiv zur Kenntnis genommen worden zu sein.
Das ist aber nicht so! ALLES wird registriert und archiviert. Bei Bedarf wird es aktiviert nach dem Motto „Auch Kleinvieh macht Mist“. Und von wegen „gefühllos“. Ich fühle sehr wohl solidarisch mit meinem Menschen! Wie sonst könnte ich bei manchem, was meinen Gehörgang akustisch passiert, aus Scham, Schreck oder Freude so wunderschön rote Hörmuscheln bekommen! Bei meinem Menschen, der zur männlichen Gattung gehört, ist das besonders gut erkennbar. Bei weiblichen Ohrenträgern soll das Farbsignal wegen der Sicht schützenden Haare allerdings nicht immer erkennbar sein.
Mein Mensch gehört zur selteneren Abart, die nicht nur Gehörtes über gegenwärtige Ereignisse zur Abspeicherung schicken lässt, sondern sich auch für Gehörtes und Gelesenes über frühere Ereignisse interessiert. Er behauptet, mit dem Forschen nach Vergangenem könnte er Gegenwärtiges oder gar Zukünftiges besser verstehen. Dabei kann ich ihn nur mit meiner inneren Stimme, die zu haben ich mir auch anmaße, empathisch unterstützen. Nach Rücksprache mit dem Zentralarchiv, zu dem ich einen guten Draht habe, werde ich meinem Forschermenschen an manches Vergessene, Namen und Orte erinnern. Ich werde ihm einflüstern, er solle andere Menschen mutig fragen und gut zuhören. Denn das nachhaltige Zuhören, es wollen und können ist der Schlüssel für des Forschers Erfolg.
Ein kleines Beispiel: Auf dem Foto seines Großvaters trägt dieser eine eigenartige Schirmmütze. Meinen Partnern der Augen-Fakultät war das vor mir aufgefallen.
Der Forscher: War der Großvater Chauffeur?
Ich: Frage Deine Großmutter, sie lebt noch.
Sie wusste gleich noch mehr: Nein, er war der erste Automobil-Besitzer im Ort und die Mütze war üblich für diesen neumodischen Freiluft-Sport um 1905. Das Auto konnte er dank einer Erbschaft kaufen.
Von wem?
Da frag den Onkel So-und-so in Da-und-dort.
So ging das Fragen und Zuhören meines Menschen auch mit vielen anderen Menschen immer weiter. Zum Schluss wurde daraus eine fast vollständige Biographie, zwar nicht die des Großvaters, sondern des Erblassers und Wohltäters der Familie.
Und ich mit meinem Zwillingspartner - wir waren immer mit „gespitztem Ohr“ dabei, ab und zu neue Ermunterungen und Hinweise aus der Denkzentrale anfordernd. Man hilft ja seinem leiblich Nächsten gern.

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