Montag, 5. September 2016

Der Stuhlmannbrunnen und Gedanken dazu



Wendula
 
Die gewaltige Größe erschlägt mich fast. Die beiden Zentauren bekämpfen sich bis aufs Blut - es geht um den riesigen Fisch, der im soliden Netz zappelt. Er schlägt mit der Schwanzflosse, er spuckt Wasser, er ist überzeugt, dass er doch noch freikommt. Der linke Zentaur verliert das Gleichgewicht, die Hufe verlieren die Bodenhaftung, gleich muss er loslassen, es gibt kein Halten mehr.
Das ist der Moment, da auch der andere Zentaur stürzt. Das nutzt der kräftige und glitschige Fisch und er schlüpft aus dem Netz. Er ist frei - er verschwindet schnell in der Tiefe des Meeres.

Ein Rentnerpaar steht vor dem Brunnen. Sie ist groß und mächtig, er eigentlich auch. Er kann sich nicht helfen, ein Vergleich drängt sich ihm auf. Geht es zu Hause nicht ähnlich zu? Permanent streiten sie um etwas - er möchte Erbsensuppe essen, sie besteht auf Tomatensuppe. Sie will einen größeren Kühlschrank, er träumt von einem DVD-Recorder. Sie will mit Sicherheit freitags einen Fisch braten, er dagegen hätte viel lieber ein saftiges Steak. Über fünfzig  Jahre geht das schon so. Ist es das, was sie zusammen hält? Sind sie so verhäkelt, dass sie das nicht mehr ändern können oder nehmen sie das im Alltäglichen schon lange nicht mehr wahr? Er nimmt sich vor, jedenfalls einen Versuch zu wagen und etwas anders zu machen - aber wie?
Vielleicht könnte man ja seinen Ton entschärfen, auch mal danke sagen oder an einem Freitag einen frischen Fisch mitbringen.

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