Freitag, 27. Januar 2017

Der Schlüssel zum Glück



Maren
Der Schlüssel zum Glück

Die Katze lebte bereits seit sechs Monaten auf der Straße. Ihre Besitzer, von denen sie sich bis zu deren Wegzug im August sehr geliebt gefühlt hatte, hatten sie zurück gelassen. Sie erinnerte sich noch gut an den Mittwoch, als der große Umzugswagen die Straße entlang fuhr und dann langsam um die Ecke bog. Sie saß damals im Vorgarten und schaute ungläubig dem großen Auto hinterher. Futter hatten ihre Leute, sie nannte sie inzwischen „die Widerlinge“, für mehrere Tage in den Garten gestellt. Es war nach drei Tagen nicht mehr genießbar. Jetzt musste sie sich um ihre Versorgung selbst kümmern.
Es begann eine harte Zeit, sie lernte zu kämpfen gegen den rosafarbenen dicken Kater aus der Nachbarschaft. Es gab keine Wundversorgung mehr durch ihre Leute. Sie stahl anderen Katzen das Fressen, die Katzenklappen in den Häusern und Schuppen konnte sie geschickt öffnen, dabei wählte sie die Zeit wenn ihre Artgenossen selbst unterwegs waren. Die Tage wurden kürzer und kälter, sie war inzwischen mager geworden, ihr Fell war ungepflegt, es glich einer struppigen Bürste. Der Dezember begann mit Frost und Schnee. Sie fand kaum noch eine windgeschützte Stelle.
Im hinteren Bereich des Gartens entdeckte sie eine kleine Laubhöhle. Der Wind hatte hier Blätter angehäuft, ein kleiner Eingang versprach Schutz und etwas Wärme. Beim Näherkommen entdeckte sie eine hellgefleckte Katze, die sich bereits in dem Laubhaufen niedergelassen hatte. Die andere Katze verharrte in ihrer Stellung, als sie sich vorsichtig näherte und sich dicht neben sie legte. Sie nahm wahr, dass ihr durch die Berührung warm wurde. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich ihr Leben. Sie streunte mit der neuen Gefährtin zu den ihr bekannten Orten, sie besorgten sich gemeinsam stehlender Weise etwas zu fressen und schmiegten sich nachts zusammen im Laubhaufen aneinander. Die andere Katze war keine Fremde mehr. Sie taten sich gut und die einst verlassene Katze empfand, dass diese Begegnung ihr Schlüssel zum Glück in dieser schweren Zeit war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen