Mittwoch, 29. August 2018

Verlaufen auf Dänisch


Maren
Verlaufen auf Dänisch

Am Nachmittag erreichten wir unser angemietetes Haus in den Dünen an der dänischen Nordsee. Es lag auf einem Hügel, ein gerader Weg, der von der Hauptstraße abging, führte direkt zu unserem Grundstück. Da es noch hell war, wollten wir, zwei Freunde und ich, ans Meer gehen, dem Rauschen der Wellen zuhören und  noch etwas am Strand entlang schlendern. Ich beschloss unterwegs, den Spaziergang abzubrechen, um im nahen Supermarkt für das Abendessen einzukaufen. Ich erstand fünf Kilo Kartoffeln, einen Liter Milch und Kleinigkeiten für das Essen. Als ich den Laden verließ, war es draußen dunkel geworden.
Ich habe eine verlässliche Orientierung, dachte ich bis dahin. So begann ich, die Dünen in Richtung unseres Hauses zu überqueren. Es war beschwerlich, da ich im losen Sand einsackte. Auf dem bald festeren Weg erschienen verlassene Sommerhäuser, die ich vom Hinweg nicht mehr in Erinnerung hatte. Meine Last, fünf Kilo Kartoffeln plus Zubehör, nahmen an Gewicht zu. Ich stolperte durch die dänische Dezembernacht. Erschwerend kam hinzu, dass ich weder den Namen des Hauses noch den „Vej“ kannte. Und: Alles geschah vor der Handy-Zeit. Einem entgegenkommenden Auto auf dem Sandweg konnte ich rechtzeitig ausweichen, seine Scheinwerfer ermöglichten mir kurz, einen Wegnamen zu erkennen. Doch das nütze mir nichts. Ich konnte mit dem Namen des Weges nichts anfangen. Ich war in dieser kalten Welt mit meinen fünf Kilo Kartoffeln heillos verloren. Dann entdeckte ich hinter einer Jalousie Licht. Ich klingelte an der Tür dieses in den Dünen einsam versteckten Sommerhauses. Es löste großes Erstaunen aus, als ich um Hilfe bat. Leider konnte ich keine Angaben über meine dänische Adresse geben. Ein „Haus auf einem Hügel“ brachte nicht weiter. Mein Glück war, dass es sich um ein deutschsprechendes Urlauber-Paar handelte, es konnte aber wenig mit dem späten Gast, der nichts außer Kartoffeln und Milch dabei hatte, anfangen. Da die Notwendigkeit gesehen wurde, irgendetwas zu unternehmen, setzte sich der Mann mit mir ins Auto, um das Haus zu finden. Drei Menschen mit Taschenlampen erlösten uns, es waren die Freunde, die sich auf die Suche nach mir gemacht hatten. Sie kamen grad über eine Düne und wollten den Weg vor dem Auto kreuzen. Eine eigentliche vergnügte Geschichte, nur haftet sie mir an, sie bleibt aber auf Partys der Renner als ‚Potatis Rejse‘.

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