Sonntag, 10. Februar 2019

Aus dem Alltag gefallen


Maren
Aus dem Alltag gefallen

Ich hatte den Tisch sorgfältig gedeckt, die Servietten hatten eine besondere Faltung bekommen, das Silberbesteck war geputzt. Meine Ausbildung in der Hauswirtschaftsschule machte sich in meinem Alltag stets bezahlt. Auch diese Essensvorbereitungen gingen mir gut von der Hand, in der Küche traf ich die letzten Vorbereitungen, der Besuch konnte kommen und sich wie immer an meiner gepflegten Gastlichkeit erfreuen.
Der Braten schmorte auf kleiner Flamme, ich verlängerte die Soße mit dem Rest Rotwein, die in Knoblauchbutter geschwenkten haricots verts dufteten mit einem großen Geschmacksversprechen, der Flambierer lag neben den Schälchen mit der Creme Brulee. Nun musste ich nur noch die Kartoffelspalten, die auf einem Backblech mit Rosmarin und Olivenöl garten, aus dem Herd nehmen. Durch das Fenster des Backofens sah ich bereits, dass es höchste Zeit war. Die Kartoffeln begannen zu braun zu werden.
Ich schaltete den Temperaturregler auf die kleinste Stufe. Jedenfalls war das mein Vorhaben, aber nichts ließ sich bewegen. Es schien, als ob sich die Temperatur sogar noch erhöhte. Die Backofentür ließ sich ebenfalls nicht öffnen.
Das Klingeln an der Haustür unterbrach meine Ratlosigkeit, eigentlich war es nur ein Panik-Aufschub. Nach einer hastigen Begrüßung der eingetroffenen Gäste eilte ich zurück in die Küche. Aus den Ritzen des Ofens begann es zu qualmen, graue Rauchschwaden drangen aus den Seiten. Ich rüttelte und zog an der Ofenklappe. Nichts bewegte sich, drinnen war der Verbrennungsvorgang in vollem Gange. Ratlos und verzweifelt wandte ich mich an die Gäste, was war ein guter Rat?
Meine älteste Freundin, eine Frau mit großer Lebenserfahrung sagte: „In so einem Fall heißt es immer, Hauptsicherung abschalten!“
Matt und kraftlos zeigte ich in die Richtung, in der sich der Schalterkasten befand. Es wurde dunkel. Auch der Ofen, die Quelle der Katastrophe, gab sein ungutes Werk auf.

Wir zogen unsere Mäntel an und gingen ins nächste Restaurant. Mein Freundin fasste die Situation zusammen, indem sie sagte: „Auch im Alltag muss man auf alles gefasst sein.“
Am nächsten Tag bestellte ich mir einen neuen Herd.

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