Maren
Aus dem Alltag gefallen
Ich
hatte den Tisch sorgfältig gedeckt, die Servietten hatten eine besondere
Faltung bekommen, das Silberbesteck war geputzt. Meine Ausbildung in der Hauswirtschaftsschule
machte sich in meinem Alltag stets bezahlt. Auch diese Essensvorbereitungen
gingen mir gut von der Hand, in der Küche traf ich die letzten Vorbereitungen,
der Besuch konnte kommen und sich wie immer an meiner gepflegten Gastlichkeit
erfreuen.
Der
Braten schmorte auf kleiner Flamme, ich verlängerte die Soße mit dem Rest
Rotwein, die in Knoblauchbutter geschwenkten haricots verts dufteten mit einem großen Geschmacksversprechen, der
Flambierer lag neben den Schälchen mit der Creme Brulee. Nun musste ich nur
noch die Kartoffelspalten, die auf einem Backblech mit Rosmarin und Olivenöl
garten, aus dem Herd nehmen. Durch das Fenster des Backofens sah ich bereits,
dass es höchste Zeit war. Die Kartoffeln begannen zu braun zu werden.
Ich
schaltete den Temperaturregler auf die kleinste Stufe. Jedenfalls war das mein
Vorhaben, aber nichts ließ sich bewegen. Es schien, als ob sich die Temperatur
sogar noch erhöhte. Die Backofentür ließ sich ebenfalls nicht öffnen.
Das
Klingeln an der Haustür unterbrach meine Ratlosigkeit, eigentlich war es nur
ein Panik-Aufschub. Nach einer hastigen Begrüßung der eingetroffenen Gäste
eilte ich zurück in die Küche. Aus den Ritzen des Ofens begann es zu qualmen,
graue Rauchschwaden drangen aus den Seiten. Ich rüttelte und zog an der
Ofenklappe. Nichts bewegte sich, drinnen war der Verbrennungsvorgang in vollem
Gange. Ratlos und verzweifelt wandte ich mich an die Gäste, was war ein guter
Rat?
Meine
älteste Freundin, eine Frau mit großer Lebenserfahrung sagte: „In so einem Fall
heißt es immer, Hauptsicherung abschalten!“
Matt
und kraftlos zeigte ich in die Richtung, in der sich der Schalterkasten befand.
Es wurde dunkel. Auch der Ofen, die Quelle der Katastrophe, gab sein ungutes
Werk auf.
Wir
zogen unsere Mäntel an und gingen ins nächste Restaurant. Mein Freundin fasste
die Situation zusammen, indem sie sagte: „Auch im Alltag muss man auf alles
gefasst sein.“
Am
nächsten Tag bestellte ich mir einen neuen Herd.
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