Valerie
Abschied
und Aufbruch
In
einer Woche werde ich meine Heimatstadt verlassen. Es macht mich wehmütig, wenn
ich daran denke, die sonnigen Weinberge, die Hügel im dämmerigen Abendlicht,
den Fluss, der träge dahin fließt, das alles nicht mehr zu sehen, alles, was
mein Leben bislang begleitet und geprägt hat. Und Trauer füllt mein Herz, denke
ich an den Abschied von den Eltern. Der fällt am schwersten, sehe ich doch die
rot verweinten Augen der Mutter, auch wenn sie tapfer ihren Schmerz vor mir zu verbergen sucht.
Aber
ich habe das Gefühl, nein ich weiß, ich muss das Bekannte, das allzu Bekannte, hinter mir lassen. Einen unbändigen Hunger
habe ich, Neues kennenzulernen. Dieser Hunger ist es, der mich treibt. Nach
Italien werde ich gehen. Meine Malerei wird sich im flirrenden, ja gleißenden
Licht dort verändern und auch mich verwandeln. Leicht und durchscheinend werden
die Farben meiner Palette werden.
Und
Frauen werde ich begegnen und mein Jünglingsein werde ich abstreifen. Davor
fürchte ich mich aber auch. Sehr sogar. Denn ich weiß nicht: Was ist das, ein
Mann? Ich fühle den Mann in mir noch nicht, kann ihn noch nicht fassen. Eine
flüchtige Ahnung davon, wer ich sein werde, steigt in mir nur auf, wenn ich tagträume oder kurz bevor der Schlaf
mich einhüllt
Auf der Erfolgsspur
Von
zuhause aufzubrechen war die bislang beste Idee meines Lebens. Italien hat mich
verändert. Die Maler, denen ich in Venedig begegnet bin, sie haben mich
inspiriert, meinen Blick für Details geschult und mir bisher völlig unbekannte Techniken
nahe gebracht. Jetzt habe ich mir einen Namen gemacht. Jetzt bin ich wer. Schon
erreichen mich zahlreiche Anfragen für
Portraits, vom Adel, von den Patriziern, alles Stände, zu denen meine Eltern
sich einen Kontakt nicht einmal vorstellen konnten. Das macht mich stolz und
füllt auch prall mein Geldsäckel.
Die Frauen
aber, sie waren eher enttäuschend für mich. Ich bin kein Kostverächter erotischer Abenteuer und
die Frauen sind auch alle äußerst hold und anmutig, aber sehr schnell schon langweilen
sie mich doch, diese artigen Schönen.
Mich
ziehen die Knaben an. Es reizt mich ihre schlanke Gestalt, ihr geschmeidiger
junger Körper, der erste zarte Flaum in ihrem Gesicht, ihr schüchterner,
scheuer Blick unter langen Wimpern. Das weckt mein Begehren, das durchgeistert
nachts meine Träume, das macht mein Herz höher schlagen.
Ich
möchte sie berühren, sie liebkosen, sie mit Küssen bedecken Und ich weiß, ich
bin nicht der einzige, der so fühlt. In meinem Freund Palladio habe ich einen erfahrenen
Seelengefährten. Er wird mir zeigen, wie ich es anstellen muss, auch für mich
einen Lustknaben zu finden.
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