Elke
Corona
Sie kam heimlich,
schlich sich an und überraschte, so wie es ihre Art war. Sie brauchte keine
Dunkelheit und keine Deckung. Sie bewegte sich durch die Öffentlichkeit und
wurde nicht bemerkt. Rasend schnell und urplötzlich. Eine diabolische Freude
durchzuckte sie, wenn sie auf ein Opfer traf. Ein Opfer, das noch nicht wusste,
dass es eins sein würde. Ihr Name war Corona und verbreitete Angst und Panik, wann
immer er genannt wurde. Sie war stolz auf ihre Macht, eine Macht, deren auch
die Mächtigsten dieser Welt nichts entgegenzusetzen hatten.
Wer waren schon die
Trumps, Putins und Erdogans, wie konnte ein Kim Jong ihr widerstehen? Ihr, die
so unsichtbar und allgegenwärtig war. Corona belegte die Alten und
Geschwächten, die Kranken und Wehrlosen mit einem Todesurteil und verdammte
alle - jung wie alt - zur Isolation. Sollten sie sich doch langweilen, aggressiv
werden oder in ihren Wohnungen und Häusern verzweifeln. Sollten sie doch
untergehen oder im Krankenhaus überleben, ihr war es egal. Sie würde schon für
eine Auslese sorgen.
Die Zeit der Entscheidung
war überreif, lange prophezeit und lange geleugnet. Sicher, irgendwann würde es
weitergehen, Fortschritt, Expansion, die Steigerung von allem, das war Programm
- bisher. Jetzt nicht mehr. Corona sorgte für eine komplette Umorientierung,
eine Besinnung auf das Wesentliche, auf sich selbst und auf das Überleben. Sie
wusste, dass sie eine wichtige Aufgabe hatte. Sie fühlte sich auserwählt und
berufen, diese Wandlung zu initiieren. Und sie würde es den armseligen
Menschlein schon zeigen und sie in ihre Grenzen verweisen, falls sie es nicht
gleich begriffen. Wie viel Überheblichkeit und Ignoranz der Menschen war bisher
nötig, um so tief zu sinken?
Jetzt war der
Zeitpunkt gekommen, absolut alles zu verändern. Einige hatten schon begriffen:
Eigenschaften und Tätigkeiten, die bisher nicht so geachtet wurden, Berufsgruppen,
deren Aufgaben als alltäglich und selbstverständlich angesehen wurden, erfuhren
ungeahnte Lobeshymnen. Selbst Politiker erkannten ihren Wert. Mit abendlichem
Klatschen von Balkonen und vor Haustüren wurde ihnen gedankt. Welch eine
Veränderung! Familienmitglieder redeten wieder miteinander und kommunizierten
nicht nur über Smartphone und App-Botschaften. Geschwister spielten miteinander
im Zimmer, und selbst über Distanzen fanden sich Fremde, die per Skype Kontakt
zu Gesellschaftsspielern suchten. Auch sonst gab es diverse, sehr kreative
Vorschläge des Miteinanders in Zeiten der Kontaktsperre und der Distanzen von
mindestens anderthalb Metern. Welch ein Wandel - der Beginn einer besseren
Welt?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen