Mittwoch, 26. August 2020

Maren 
Sommererinnerungen

Magda hatte Glück. Sie bekam nach der Operation ein Einzelzimmer im Kreiskrankenhaus. Hier konnte sie ihren Gedanken und Erinnerungen nachhängen ohne störende Geräusche anderer Mitpatienten. Eine Reise in die Vergangenheit wollte sie antreten. Noch einmal die Sommererinnerungen von damals nachempfinden. Sie, die gerne den Sommer an der See verbrachte, war dieses Mal bereits am ersten Tag über ein Seil gestolpert. Das Seil hatte am Strand gelegen, zugeweht vom feinen Sand, schwer erkennbar. Ein gebrochenes Bein war die Folge. Hilfreiche Herbeieilende waren zur Stelle, jetzt musste sie ihre Erinnerungstour hier im Krankenhaus fortsetzen.

Damals, die warme Sommernacht mit Karl, Lisa und Otto am Strand, gehörte zur besten Zeit in ihrem Leben, alles war unbeschwert und leicht. Sie hatten sich zusammen eine Sandburg gebaut, jeder hatte dort den perfekten Liegeplatz. Der Rotwein, das Weißbrot und der Käse, der leider inzwischen recht sandig geworden war, bildeten Zutaten zu dieser paradiesischen Nacht. Mit geschlossenen Augen nahm sie das Wellenrauschen wahr, der getrocknete Tang am Ufer strömte für sie einen Wohlgeruch aus. So riecht Meer, stellte sie fest. Gegen Morgen, mit der ersten Helligkeit, stellte sich Kühle ein. Das war gleich, sie hatten ja einander. Der Mond wich der Sonne, die Sterne verblassten und lösten sich im Firmament auf. Sie ahnte die Rückkehr der Hitze, die sich langsam über den Strand stülpte. Nach dem Morgenbaden machten sie sich auf, ein Boot zu mieten.

Magda wurde in ihrem Krankenbett von diesen Erinnerungen gerüttelt, sie spürte noch jetzt die Sonnencreme DELIA auf ihrer sandigen Haut, alles war präsent, es stellte sich ein warmes Glücksgefühl ein. In ihrem Leben war vieles im Argen gewesen, die Freunde waren ihr fremd geworden, Otto gab es nicht mehr. Doch dieses Stück Leben betrachtete sie als ihre Glücksinsel.

 

Getrockneter Tang.

So riecht das Meer am Sandstrand.

Geschlossene Augen.

 

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