Mittwoch, 16. September 2020

Karin

Eine Sommernacht

Nach einer ausgedehnten Paddeltour auf dem Plauer See in Mecklenburg Vorpommern entschlossen wir uns, die Nacht am See zu verbringen.

Wir fanden ein romantisches Plätzchen. Das Areal war von alten Schwarzerlen umgeben. Unsere Hängematten, die im Sommer immer im Kofferraum deponiert waren, befestigten wir  zwischen den Bäumen. Die Tagesration reichte noch für eine kleine Abendmahlzeit.

Wohlig und zufrieden sowie sehr müde von der ganztägigen Seeluft machten wir es uns in den bunten, stabilen Baumwollhängematten bequem.

Ein angenehmer lauer Seewind streichelte meine Haut. Der würzige Duft der Blätter verführte zum Hineinbeißen. Leicht wiegend schaute ich dem versinkenden glühenden Ball am Horizont zu. Stare sammelten sich in der Ferne und tanzten in Schwärmen ihrem Schlafplatz entgegen. Was für ein Schauspiel!

Der erste helle Stern war zu sehen. Wir entschieden uns für Jupiter.

Später blinkten viele Himmelskörper um ihn herum. Es wurde die Nacht der Plejaden. Viele Wünsche wurden gespeichert und im Innersten versiegelt.

Das Plätschern des Wassers wiegte mich in einen leichten Schlaf.

Plötzlich schreckte mich ein schnaufendes Geräusch aus dem Dämmern. Ich wollte aufspringen, doch meine Körperhaltung in der Hängematte hatte einen Entspannungsmoment erreicht, der keinen

spontanen Ausstieg erlaubte. Schon wieder ein Grunzen und Schmatzen. Ich schaltete meine Taschenlampe an, reckte meinen Kopf umständlich über den Rand der Matte. Unter mir verzehrte ein Igel seine Nachtmahlzeit. Er ließ sich einen Regenwurm schmecken.

Beruhigt nahm ich meine Schlafposition wieder ein, und ich träumte mich in den Tag.

 

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