Mittwoch, 30. Dezember 2020

Schwalbenschwanz

Ilse

Die Flügel des Schwalbenschwänzchens sind schon etwas matt geworden. Die roten Flecken leuchten jedoch noch aus den grünen Blättern der vielen Orchideen auf unserer Fensterbank hervor.

„Ach, was bin ich froh, hier von Blüte zu Blüte flattern zu können. Doch Nahrung finde ich bei den Blüten leider nicht. Aber schön warm ist es auf diesem Platz. Wärme von unten. Was das wohl ist?  Die Sonne jedenfalls nicht, denn der Himmel, den ich erblicke, ist grau. Ich schaue mich mal weiter um. Grün auf der anderen Seite des Zimmers. Es leuchtet verlockend.

Ich flattere los, doch etwas Hartes bremst meinen Weg. Verdammt, ich komme nicht weiter. Flattere hin und her. Gott sei Dank kann ich Platz nehmen. Glänzend grün die Blätter unter mir und wie sie duften! Der Geruch von Zitrone steigt in meine zarte Schmetterlingsnase. Betörend! Als ich meine Gastgeberin fragend ansehe, erzählt sie mir, sie nehme dieses Grün zum Kochen von thailändischen Gerichten.

Mag ja nett für die Dame sein, für mich ist es nichts. Erschrocken fahre ich zusammen, als ich mich auf einem Ding an der Wand niederlasse. Im Inneren fängt es plötzlich an zu schnurren, zu rasseln und ein eisernes Teil wie ein Arm haut gegen ein Teil, das einer Osterglocke gleicht, nur viel größer und runder. Mein Kopf dröhnt, als elf helle Töne erklingen. So nah muss ich diesem Ding nicht wieder kommen. Schnell flattere ich zum Zitronenblatt zurück und nehme ein Duftbad zur Erholung.“

 

 

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