Sonntag, 30. Dezember 2012


Wendula
Warum verschenke ich einen Glücksbringer?

Weil damit gute, individuelle Wünsche verbunden sind und ich an die Kraft der Wünsche glaube.
Weil ich mich damit intensiv mit einer ganz bestimmten Person beschäftige.
Und weil ich hoffe, dass es diesem Menschen durch meine Wünsche gut oder jedenfalls besser geht.
Aber eine Voraussetzung muss erfüllt sein: der Glücksbringer muss ungewöhnlich sein und genau zu der Person passen.
  

Glücksklee

Natürlich haben meine Freundin und ich uns immer wieder mit der Suche nach Glücksbringern beschäftigt. Wegen eines Marienkäfers brach ein erbitterter Streit aus: Gehört der Käfer mir, weil ich ihn in ihrem Garten entdeckte oder gehörte er meiner Freundin, weil es ihr Grundstück war? Das war nicht so schnell zu schlichten und löste wütende Diskussionen aus. Mit Glücksklee war das schon einfacher, der wuchs nicht in unseren Gärten sondern eher schon mal am Straßenrand. Aber selten, sehr selten.

Meine Mutter erinnere ich vor dem Krieg als eine attraktive, zierliche, kleine Frau. Zu dem Zeitpunkt geschieden, aber umgeben von einer Heerschar von Verehrern. Diese versuchten sich mit Geschenken gegenseitig zu übertrumpfen. Oft über den Umweg von uns Kindern. So fuhr eines Tages ein kleiner Lastwagen vor und eine Ladung leerer Zigarrenkisten wurde meinen Brüdern übergeben. Offensichtlich handelte einer der Verehrer mit Tabakwaren. Andere hatten enge Beziehungen zur Schokoladenherstellung, ungewohnt große Gebinde waren für uns gedacht, aber da meine Mutter eine Schokoladenliebhaberin  war, blieb für uns oft nur das Silberpapier "zum Basteln", wie meine Mutter vorschlug.
Einer setzte sich ins günstige Licht, weil er meiner Mutter Karten für Eishockey und Eiskunstlaufen in Planten und Blomen schenkte - für die ganze Familie.

Doch für mich war die Krönung verehrerlicher Geschenkideen ein kleiner Blumentopf mit vierblättrigem Klee, verziert mit einem Schornsteinfeger mit Leiter und Hufeisen zu Silvester. Ein sensationelles Geschenk, ein absoluter Volltreffer, der den Verehrer, den ich eigentlich nicht besonders fand, deutlich auf der Beliebtheitsskala mindestens fünf Punkte nach oben steigen ließ.


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