Freitag, 25. Januar 2013



Maren
Der Mann mit der Trompete

Die Wölfe waren ausgehungert, der Schnee lag hoch, ihr zerzaustes Fell konnte sich kaum noch gegen die Kälte wehren. Das Rudel blieb eng zusammen, um sich zu wärmen.
Die Leitwölfin war am Morgen früh aufgebrochen, sie hatte Wild gewittert und war ihm auf den Fersen. Niemand aus dem Rudel konnte sie begleiten. Die Kälte biss die entkräfteten Tiere bis zur Bewegungslosigkeit. Als die Dämmerung anbrach, kehrte die Wölfin zurück, zwei kleine magere Kaninchen konnte sie dem Rudel bringen. Es war jedoch keine Beute, die das Überleben der Tiere sichern würde. Als der Schneefall erneut einsetzte, stellten sie sich zusammen und bildeten eine Erhebung, die allmählich mit der eisigen weißen Schneelandschaft zusammenschmolz.
Die Leitwölfin hörte die fernen Klänge zuerst. Allmählich bewegten sich die Tiere; sie wussten, Geräusche waren mit Jagd und Beute verbunden. Die Klänge kamen näher. Eine Silhouette bildete sich zwischen zwei einzelnstehenden hohen Tannen. Aus dem Schatten trat ein Mensch mit einer Trompete, er ging auf die Tiere zu, dabei spielte er eine Melodie, die den Schneewald zu verzaubern begann. Der Schnee glitzerte silbern, kleine Eiskristalle leuchteten wie ein unendliches Sternenzelt.
Das Rudel bewegte sich nicht. Es stand still und wurde Teil dieses Wunders. Ein Windstoß löste mächtige Schneemengen von den Bäumen. Als die Sicht klarer wurde, war der Mann mit der Trompete verschwunden.
Das Rudel fühlte sich plötzlich zuversichtlicher und kräftiger. Es wusste, es würde den Winter  überstehen. Noch in der Nacht brachen sie auf, die Leitwölfin führte ihr Rudel in Jagdgründe, immer dem fernen Klang einer Trompete folgend.

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