Maren
Der
Mann mit der Trompete
Die
Wölfe waren ausgehungert, der Schnee lag hoch, ihr zerzaustes Fell konnte sich
kaum noch gegen die Kälte wehren. Das Rudel blieb eng zusammen, um sich zu
wärmen.
Die
Leitwölfin war am Morgen früh aufgebrochen, sie hatte Wild gewittert und war
ihm auf den Fersen. Niemand aus dem Rudel konnte sie begleiten. Die Kälte biss
die entkräfteten Tiere bis zur Bewegungslosigkeit. Als die Dämmerung anbrach,
kehrte die Wölfin zurück, zwei kleine magere Kaninchen konnte sie dem Rudel
bringen. Es war jedoch keine Beute, die das Überleben der Tiere sichern würde.
Als der Schneefall erneut einsetzte, stellten sie sich zusammen und bildeten
eine Erhebung, die allmählich mit der eisigen weißen Schneelandschaft zusammenschmolz.
Die
Leitwölfin hörte die fernen Klänge zuerst. Allmählich bewegten sich die Tiere; sie
wussten, Geräusche waren mit Jagd und Beute verbunden. Die Klänge kamen näher.
Eine Silhouette bildete sich zwischen zwei einzelnstehenden hohen Tannen. Aus
dem Schatten trat ein Mensch mit einer Trompete, er ging auf die Tiere zu,
dabei spielte er eine Melodie, die den Schneewald zu verzaubern begann. Der
Schnee glitzerte silbern, kleine Eiskristalle leuchteten wie ein unendliches
Sternenzelt.
Das
Rudel bewegte sich nicht. Es stand still und wurde Teil dieses Wunders. Ein
Windstoß löste mächtige Schneemengen von den Bäumen. Als die Sicht klarer
wurde, war der Mann mit der Trompete verschwunden.
Das
Rudel fühlte sich plötzlich zuversichtlicher und kräftiger. Es wusste, es würde
den Winter überstehen. Noch in der Nacht
brachen sie auf, die Leitwölfin führte ihr Rudel in Jagdgründe, immer dem
fernen Klang einer Trompete folgend.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen