Dagmar
Erinnerungen an
meine Kinderzeit im Winter
Es
war sehr kalt in unserem Schlafzimmer als meine Schwester mich morgens weckte. Weiße
Eisblumen, Blütenknospen und Blumenblätter verzierten das Schlafzimmerfenster.
Auf meinem Weg vom Flur in die Küche beobachtete ich meinen Vater, der damit
beschäftigt war, den über Nacht eingefrorenen Hauptstrang unserer Wasserleitung
mit einer Lötlampe aufzutauen. Von mir aus konnte er sich ruhig Zeit lassen,
denn nun konnte und brauchte ich mich nicht zu waschen.
Meine
um viele Jahre ältere Schwester saß in der warmen Küche vor dem Spinnrad; neben
ihr im Korb lag eine Menge geschorener Schafwolle, die sie zu Strickgarn
verarbeitete.
Der
Herd in unserer Küche wurde mit Torfscheiten beheizt, die wir in den Sommermonaten
im Moor gestochen und an der Sonnenseite unseres Hauses aufgestapelt hatten.
Einen großen Holzvorrat hatten wir damals nicht; Briketts und Kohlen waren
knapp und wurden zugeteilt.
Nach
dem Frühstück zog ich meine selbst gestrickten Wollstrümpfe an, schlüpfte in
die im Backofen vorgewärmten Stiefel und begab mich auf den Schulweg.
Nachmittags
warteten meine Spielkameraden vor unserer Gartenpforte ungeduldig auf mich. Dann
befestigten wir unsere Schlittschuhe auf den Schlitten und stapften auf
verschneiten Feldwegen. Mit jedem Schritt knirschte der Schnee unter unseren
Schuhsohlen.
In
den Wintermonaten waren die Alsterauen unser Tummelplatz.
Wir
liebten es, die steilen und engen Abhänge am Alsterwanderweg hinab zu sausen.
Auf schmalen holprigen Rodelpisten zwischen hohen Buchen und über knochige
Baumwurzeln mussten unsere Schlitten ihre Belastungsprobe bestehen.
Langeweile
kannten wir nicht; der zugefrorene Kupferteich war der Anziehungspunkt für alle
Schlittschuhläufer. Auf dieser großen Eislauffläche hatten wir reichlich Platz,
um schwungvoll vor- und rückwärts über das Eis zu gleiten und unsere Pirouetten
zu drehen.
Ab
und zu machten wir eine Pause, um zu schwatzen. Dann konnte es vorkommen, dass
das Eis unter uns laut knackte. Um nicht einzubrechen, stoben wir in alle
Richtungen. Ich werde nie die stöhnenden, dumpf glucksenden Eisgeräusche dabei vergessen.
Meine
Schulkameraden hatten sich aus dicken Ästen Hockeyschläger gebastelt und eine
Hockeymannschaft gebildet. Ein flacher Stein diente als Puck. Hungrig und mit
nassen Hosen machten wir uns erst bei Einbruch der Dunkelheit auf den Heimweg.
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