Freitag, 29. März 2013


Wendula
Ostermorgen

Ein kalter Ostwind verdirbt die Lust, trotz sagenhafter Sonne nach draußen zu gehen, um meine fast 90jährige Mutter am Ostermorgen abzuholen. Auf der Straße ist es dann halb so schlimm und gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass doch meistens um diese Jahreszeit im Reemtsma Park versteckt im Gebüsch Scilla blühen. Ich mache mich auf den Weg. Ob mich jemand sieht, um dann zu sagen: „Wenn das Jeder täte?“
Nein, keiner ist bei diesem unwirtlichen Wetter unterwegs und so krieche ich durch das trockene Laub um ganz wenige, zarte Stängelchen zu pflücken. Dazu würden auch wunderbar ein paar Gelbsterne passen. Unter einer gewaltigen Platane blühen sie üppig jedes Jahr. Und ob wohl schon die ersten Anemonen ihre weiß-rosa Köpfchen aus dem Laub stecken? Der Weg in den Jenischpark ist nicht weit und vereinzelt blühen sie tatsächlich.
Es wird ein zarter, ganz kleiner Strauß, ein Frühlingsgruß für meine Mutter, den sie überglücklich in ihren silbernen Taufbecher steckt.

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