Wendula
Ostermorgen
Ein kalter Ostwind verdirbt die Lust,
trotz sagenhafter Sonne nach draußen zu gehen, um meine fast 90jährige Mutter am
Ostermorgen abzuholen. Auf der Straße ist es dann halb so schlimm und gerade
noch rechtzeitig fällt mir ein, dass doch meistens um diese Jahreszeit im
Reemtsma Park versteckt im Gebüsch Scilla blühen. Ich mache mich auf den Weg. Ob
mich jemand sieht, um dann zu sagen: „Wenn das Jeder täte?“
Nein, keiner ist bei diesem unwirtlichen
Wetter unterwegs und so krieche ich durch das trockene Laub um ganz wenige,
zarte Stängelchen zu pflücken. Dazu würden auch wunderbar ein paar Gelbsterne
passen. Unter einer gewaltigen Platane blühen sie üppig jedes Jahr. Und ob wohl
schon die ersten Anemonen ihre weiß-rosa Köpfchen aus dem Laub stecken? Der Weg
in den Jenischpark ist nicht weit und vereinzelt blühen sie tatsächlich.
Es wird ein zarter, ganz
kleiner Strauß, ein Frühlingsgruß für meine Mutter, den sie überglücklich in
ihren silbernen Taufbecher steckt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen