Mittwoch, 24. Juli 2013

Wendula
Die Geschichte mit dem EAS Etikett

Seit Monaten stehe ich bei Schlecker im Regal. Ich bin eine ansehnliche Tube Haarkur. Relativ neu auf dem Markt. Man hat mir eine leuchtend grüne Farbe gegeben, dazu einen hellgrauen Aufdruck und ganz unten wurde dieses hässliche Strichcode-Etikett draufgeklebt. Ist das wirklich nötig? Na ja, alle haben das.
Ich dämmer in der engen Warenschlucht vor mich hin. Da kommt ein junges Mädchen - endlich nimmt mich mal jemand in die Hand -liest etwas mühsam die kleine Schrift, dabei guckt sie nach rechts, nach links und dann fängt sie an, mit dem perfekt gestylten Fingernagel an mir rumzukratzen. Ein unangenehmes Geräusch.

Mit dem Rücken zur Kasse und etwas versteckt hinter Pappkartons geht diese Aktion weiter. Zu diesem Zeitpunkt will ich mich gar nicht mehr von dem hässlichen Etikett trennen, aber unermüdlich, jetzt geschützt durch ihren Mantel, geht die Puhlerei weiter. Die ersten kleinen, weißen Fetzen lösen sich tatsächlich. Ich kann nichts machen! Ein leises Knacken lässt mich ahnen, dass ihr der wichtigste, rosa-grün lackierte Nagel abgebrochen ist. Jetzt muss sie aufhören - tut sie auch - versteckt mich aber in der Innentasche ihres Mantels. Sie geht zur Kasse, bezahlt den offiziell erworbenen Lippenstift und lässt sich durch ein ganz leises, mühsames Piepsen überhaupt nicht stören (es fehlt ja die Hälfte meines Etiketts) und als die Kassiererin fragt, was denn da so piepst, antwortet sie nur ganz kühl: "Wieso, das ist mein Handy, das ist nämlich kaputt!"

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