Maren
Schulbrot
In
den späten vierziger Jahren wohnte meine Familie in einem Gartenhaus an der
Bille. Mein Vater hatte das Haus aus Trümmersteinen der Süderstrasse gebaut, er
holte jeden Morgen mit einer sogenannten ‚Schottschen Karre‘ eine Ladung der
Steine. Meine Mutter, meine zwei Brüder und ich mussten dann die Steine mit
einer kleinen Hacke oder einem Hammer von Mörtel befreien.
In
unserer Stadtwohnung in Winterhude bewohnten wir zu fünft ein Zimmer bei Großeltern.
Das Zusammenleben war eng und von wenig Harmonie geprägt; so waren wir froh,
dass wir die Möglichkeit hatten, den
Sommer im Garten zu verbringen. Mein Bruder und ich mussten somit jeden
Schultag von Hammerbrook nach Winterhude mit der Straßenbahn fahren.
Der
Apfelbaum im Garten lieferte uns das ‚Schulbrot‘. Bevor wir uns morgens auf den
Weg machten, gab meine Mutter uns je einen Apfel. Hatten wir eine Brottasche?
Ich weiß es nicht mehr genau, vielleicht verstauten wir die Äpfel auch im
Tornister. In der Straßenbahn boten uns andere Fahrgäste manchmal Obst aus
ihren Gärten an; ich erinnere mich an eine große Tüte Pflaumen. Wir, sechs und
sieben Jahre alt, erfuhren in der Straßenbahn eine besondere Aufmerksamkeit. Man
achtete auf uns - das hieß auch, dass wir uns nicht, wie viele andere, von
außen an die Straßenbahn hängen durften, es sei denn, niemand guckte.
An
der Umsteigehaltestelle am Rathausmarkt hatte uns eine Verkäuferin aus dem
runden Kiosk ins Herz geschlossen. Während wir auf die Straßenbahn nach
Winterhude warteten, schenkte sie uns oft eine Bratwurst, für uns ein
kulinarisches Himmelreich! Zu Hause gab es lediglich der Not gehorchend
Produkte aus dem Garten ergänzt mit Gaben von Lebensmittelgutscheinen. So war
das ‚Schulbrot‘ durch den langen Schulweg immer unterschiedlich, wobei der
Apfel aus unserem Garten der Favorit blieb.
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