Montag, 4. November 2013

Evelyne
Meine Erfahrung mit Feuer

Wenn ich ganz tief im Gedächtnis nachgrabe, fällt mir die Ofenheizung ein, die wir 1945 in der neuen Wohnung vorfanden. Als ältestes Kind mit hausfraulichen Aufgaben vertraut, habe ich, als die Mutter mit Typhus im Krankenhaus lag, den Kachelofen, unsere einzige Wärmequelle in der sehr kalten Wohnung, zum Heizen vorbereitet.
Zuerst musste die Asche mit einer Schaufel herausgekehrt werden, denn der Rost musste sauber und frei von Rückständen sein. Jetzt wurde das Brikett auf den Rost gelegt und dann klein gespaltenes Holz obenauf. Mit zerknüllter Zeitung, die mit einem Streichholz angesteckt wurde, fing hoffentlich der Scheiterhaufen zu brennen an. Mit Pusten versuchte ich den Vorgang zu beschleunigen.
Es war zu der Zeit sehr schwierig, trockenes Holz zu bekommen. Alle brennbaren Stücke wurden in den Ofen gesteckt. Besonders schön brannten alte Holzlatten oder aus Trümmern geborgene Dielen und Möbelreste. Auch Papier war knapp. Zum Einwickeln von Nahrungsmitteln musste man welches mitbringen oder Gefäße zum Transport. Ich musste sorgfältig und sparsam mit dem Heizmaterial umgehen. So war es ratsam, das Feuer nicht ausgehen zu lassen. Es mussten immer wieder Briketts nachgelegt werden. Wenn der Kachelofen dann endlich warm wurde, rückten wir eine Bank an seine Seite und saßen mit dem Rücken an der Wärmequelle. Hier war der angenehmste Ort uns zu wärmen und zu überwintern.

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