Dienstag, 5. November 2013

Renate
Wie ich lernte, mit Feuer umzugehen

In meiner Kindheit heizte meine Mutter jeden Morgen den großen Kachelofen an. Er war, damals ganz modern, von der Küche aus zu befeuern und ragte durch das Mauerwerk bis ins Wohnzimmer.
Zuerst musste sie das Ofeninnere säubern. Der Brennrost wurde durchgerüttelt, die Asche fiel in den Kasten darunter und die verkohlten Reste schob sie mit dem Feuerhaken heraus. Alles schüttete sie vorsichtig in einen großen Eimer, der in die Mülltonne geleert wurde.
Dann begann das Feuermachen: Papier – so man es hatte – wurde zusammengeknüllt auf den Brennrost geschoben, darüber Holzstücke und ein Brikett obendrauf. Ratsch, wie ein kleines Wundersprang eine Flamme aus dem Streichholz. Meine Mutter schob es in das Papier und wie ein Raubtier fraß das Feuer daran, bis es sich krümmte. Die dünnen Holzstücke wurden braun, dann loderten sie schon, und nicht lange danach wurde schon weitere Kohle nachgeschüttet.
Die heiße Luft zog in dem Ofen hin und her und er erwärmte sich langsam.
Was für ein mühseliges Geschäft war das Ganze jeden Morgen und auch tagsüber. Trotzdem faszinierte es mich immer wieder.
Zu Silvester redeten alle von einem großen Feuerwerk. Ich stellte viele Fragen und hatte bald eine eigene Vorstellung davon. Ich bastelte mir eins nach meinem Entwurf. Ich drückte Zeitungspapier zu größeren Bällen zusammen und umwickelte sie mit Bindfaden. Das Ende des Bindfadens band ich an einen Stein. Stolz erschien ich Silvester auf dem Balkon, mit Streichhölzern bewaffnet. Nur noch das Papier musste angezündet werden, dann würde ich die Feuerbomben vom Balkon werfen.
Leider wurde nichts daraus. Meine Eltern verkannten völlig mein persönliches Genie.

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