Renate
Wie ich lernte, mit
Feuer umzugehen
In
meiner Kindheit heizte meine Mutter jeden Morgen den großen Kachelofen an. Er
war, damals ganz modern, von der Küche aus zu befeuern und ragte durch das
Mauerwerk bis ins Wohnzimmer.
Zuerst
musste sie das Ofeninnere säubern. Der Brennrost wurde durchgerüttelt, die
Asche fiel in den Kasten darunter und die verkohlten Reste schob sie mit dem
Feuerhaken heraus. Alles schüttete sie vorsichtig in einen großen Eimer, der in
die Mülltonne geleert wurde.
Dann
begann das Feuermachen: Papier – so man es hatte – wurde zusammengeknüllt auf
den Brennrost geschoben, darüber Holzstücke und ein Brikett obendrauf. Ratsch,
wie ein kleines Wundersprang eine Flamme aus dem Streichholz. Meine Mutter
schob es in das Papier und wie ein Raubtier fraß das Feuer daran, bis es sich
krümmte. Die dünnen Holzstücke wurden braun, dann loderten sie schon, und nicht
lange danach wurde schon weitere Kohle nachgeschüttet.
Die
heiße Luft zog in dem Ofen hin und her und er erwärmte sich langsam.
Was
für ein mühseliges Geschäft war das Ganze jeden Morgen und auch tagsüber.
Trotzdem faszinierte es mich immer wieder.
Zu
Silvester redeten alle von einem großen Feuerwerk. Ich stellte viele Fragen und
hatte bald eine eigene Vorstellung davon. Ich bastelte mir eins nach meinem
Entwurf. Ich drückte Zeitungspapier zu größeren Bällen zusammen und umwickelte
sie mit Bindfaden. Das Ende des Bindfadens band ich an einen Stein. Stolz erschien
ich Silvester auf dem Balkon, mit Streichhölzern bewaffnet. Nur noch das Papier
musste angezündet werden, dann würde ich die Feuerbomben vom Balkon werfen.
Leider
wurde nichts daraus. Meine Eltern verkannten völlig mein persönliches Genie.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen