Ursula
Der Pfannkuchen,
meine Lieblingsspeise?
Wir
waren Flüchtlinge. Wir waren arm. Mit uns am Tisch saß der Hunger, wir wurden
nicht satt.
Meine
Familie, Großmutter, Großvater, Vater, Mutter und drei kleine Kinder, lebten
von der Arbeit der Eltern, die darin bestand, Holz im Wald zu ernten, es zu den
Verbrauchern zu transportieren und gegen Lebensmittel einzutauschen.
Die
Familie versuchte, vor allem die Oma, mit Erträgen aus dem Garten die Ernährung
aufzubessern. Ein paar Hühner teilten
sich mit uns ein Stückchen Land und schliefen auf dem Scheunenboden. Auch sie
waren hungrig. Körner wurden ausschließlich für die Menschen verbraucht und alles,
was am Wegrand hätte gepflückt werden können, lockte auch andere
Kleintierbesitzer zur Sammelernte. Reste aus der Küche, die Hühner auch mit
Vorliebe aufpicken, gab es nicht. So fraß das liebe Federvieh sein eigenes
Produkt auf, sobald es in einem dafür vorgesehenen Nest lag. Die Hühner drehten
sich einfach um und pickten, bevor Omas schnelle Hand die Eier für die Familie retten konnte.
Täglich
wurde kontrolliert, ob in einem Huhn ein Ei heranreifte. War das der Fall,
packte Oma mit geübtem Griff das liebe
Tier und setzte es in einen Korb. Korb und Huhn kamen in die Küche, wo Opa auf
dem Stuhl, mit seiner qualmenden Pfeife im Mund und dem Gehstock saß. Seine
Aufgabe war, das Ei in dem Moment für uns zu retten, wenn es gelegt war. Nicht immer klappte das, Opa war schon sehr
müde und Oma danach ziemliche böse.
Dennoch,
es sammelten sich manchmal ein paar Eier und gab es Pfannkuchen, für jeden nur
ein kleines Stück.
Mein
schönster Traum in jener Zeit war, für mich allein einen Pfannkuchen zu
genießen, goldgelb, knusprig aus vielen Eiern und mit guter Butter.
Heute
kann ich Pfannkuchen essen soviel ich will und wann immer ich mag. Er gehört
nicht mehr zu meiner Lieblingsspeise. Die Erinnerung an den in jener Zeit unerreichbaren
Genuss aber bleibt ewig jung.
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