Maren
Geschmackserlebnis
Ich
erinnere mich an den Tag Ende der fünfziger Jahre, an dem ich das Gemüse Paprika
kennen gelernt habe.
Nach
einer längeren Radtour kam ich als hungrige junge Reisende nach Hause und
freute mich auf die mir bekannte Hausmannskost, ein kostengünstiges Mittagessen
für eine große Familie mit kleinem Budget. Es bestand meist aus
Stampfkartoffeln, Schnippelbohnen, verfeinert mit ausgelassenem Speck.
Meine
Mutter tat sehr geheimnisvoll, als sie die Schüssel auf den Tisch stellte. Sie
hatte sich an etwas Neues gewagt. Es wurden
gefüllte Paprika serviert. Sie sagte: „Da wirst du staunen, was es jetzt
alles so Neues zu kaufen gibt, ich habe mich daran gewagt.“
Die
Schüssel mit den grünen und den roten Paprikaschoten war bereits ein optisches Erlebnis.
Die roten Paprika mit der feinen Süße, die grünen etwas bitter und mit einer
leichten Herbe, beide Schoten gefüllt mit einer Hackmischung, alles eingebettet
im körnigen Reis, eine kulinarische Köstlichkeit. Dieses erste Paprikaessen
blieb mir unvergessen und die Freude meiner Mutter, die erfolgreich die Grenzen
ihrer Kochkunst gesprengt hatte.
Im
Nachkriegsdeutschland war dieses südeuropäische Gemüse noch unbekannt, hier
herrschte mehr die regionale Küche vor, gewürzt mit Pfeffer und Salz. Erst mit
dem Zuzug der sogenannten ‚Gastarbeiter‘ begannen andere Gemüsesorten, Gerichte
und Gewürze Einzug zu halten und bereicherten wesentlich den Speiseplan.
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