Mittwoch, 20. November 2013

Maren
Geschmackserlebnis

Ich erinnere mich an den Tag Ende der fünfziger Jahre, an dem ich das Gemüse Paprika kennen gelernt habe.
Nach einer längeren Radtour kam ich als hungrige junge Reisende nach Hause und freute mich auf die mir bekannte Hausmannskost, ein kostengünstiges Mittagessen für eine große Familie mit kleinem Budget. Es bestand meist aus Stampfkartoffeln, Schnippelbohnen, verfeinert mit ausgelassenem Speck.
Meine Mutter tat sehr geheimnisvoll, als sie die Schüssel auf den Tisch stellte. Sie hatte sich an etwas Neues gewagt. Es wurden  gefüllte Paprika serviert. Sie sagte: „Da wirst du staunen, was es jetzt alles so Neues zu kaufen gibt, ich habe mich daran gewagt.“
Die Schüssel mit den grünen und den roten Paprikaschoten war bereits ein optisches Erlebnis. Die roten Paprika mit der feinen Süße, die grünen etwas bitter und mit einer leichten Herbe, beide Schoten gefüllt mit einer Hackmischung, alles eingebettet im körnigen Reis, eine kulinarische Köstlichkeit. Dieses erste Paprikaessen blieb mir unvergessen und die Freude meiner Mutter, die erfolgreich die Grenzen ihrer Kochkunst gesprengt hatte.

Im Nachkriegsdeutschland war dieses südeuropäische Gemüse noch unbekannt, hier herrschte mehr die regionale Küche vor, gewürzt mit Pfeffer und Salz. Erst mit dem Zuzug der sogenannten ‚Gastarbeiter‘ begannen andere Gemüsesorten, Gerichte und Gewürze Einzug zu halten und bereicherten wesentlich den Speiseplan.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen