Evelyne
Ein Weihnachtsfest
im Nachkriegs-Berlin
Das
Bild der Heiligen Familie aus Bethlehem fällt mir ein, wenn ich den Zustand
unserer Familie am Heiligen Abend 1945 beschreiben möchte. Kälte, Armut, ein
dürftiges Zuhause und Mangel an allen irdischen Gütern.
Dennoch,
wir waren durch alle Schrecknisse des Krieges heil davon gekommen. Wir waren
wieder beieinander. Der Vater hatte, nach vielen Umwegen, im Spätherbst wieder
zu seiner Familie heimgefunden. Wir fühlten uns geborgen. Der Ofen konnte
beheizt werden und einen Tannenbaum gab es auch.
Er
fiel zwar etwas mickrig aus und Schmuck, um ihn zu verschönern, gab es nicht.
Doch es gab weiße Kerzen auf Bezugschein für Familien
mit Kindern und winzige Halterungen dazu. Nach einem „guten“ Essen saßen wir um
den Tannenbaum herum und schauten in die Lichter. Die Kerzen gaben seltsame
knisternde, knackende Geräusche ab und blakten fürchterlich. Noch bevor die
Kerzen heruntergebrannt waren, waren wir verrußt und sahen wie Räuchermännchen
aus. Doch was spielte das für eine Rolle. Es war wieder Weihnachten geworden
und der Friede und die Zuversicht auf bessere Zeiten trösteten uns.
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