Freitag, 7. Februar 2014

Wendula

Schneenacht 

Es dämmert. Ich gehe ans Fenster zur Straße, um im Licht der Straßenlaterne zu sehen, ob es noch immer schneit. Die ersten kratzenden Geräusche von der Straße kann ich im zweiten Stock hören. Natürlich, wie immer, der übereifrige Nachbar von gegenüber ist schon am Werk. Jetzt ist es fast dunkel aber der Schnee lässt es nicht richtig finster werden.
Geh' ich jetzt in den Keller und hol' mir die roten, noch nie benutzten Winterstiefel nach oben? Und marschier ich dann ganz allein in den Jenischpark? - Komm, gib dir einen Ruck! Also ziehe ich mir die  Jacke mit Kapuze an, steige in die Stiefel, finde sie einigermaßen bequem und mache mich auf den Weg. Draußen sind nun schon mehr "Schneeschieber" am Werk, aber im Park bin ich allein. Nach dem Überqueren der Holztwiete liegt die große Wiese dick verschneit vor mir. Ein selbst im Dunkeln märchenhafter Anblick. Die Bäume, wie eine weiße Armee, säumen diese Weite. Still ist es, ganz, ganz still, jeder Laut ist verschluckt. Keine Spur weist mir den Weg, ich wage kaum zuzutreten, aber ein bisschen neugierig bin ich, was wohl für einen Schuhsohlenabdruck meine neuen Stiefel hinterlassen. Nun ja, nicht besonders interessant, wie mir im Dunkeln scheint.
Ich bleibe stehen und gucke in die Weite. Auf der anderen Seite der Wiese kommt mir eine dunkle Gestalt entgegen. Seh' ich richtig? Drei große, schwarze Hunde scheinen zu dem Spaziergänger zu gehören, sie zerreißen die Stille mit fröhlichem Gebell und toben wie wild geworden durch den Pulverschnee. Nun muss man sich über die eigenen Spuren keine  Gedanken mehr machen - die glücklichen Hunde hinterlassen eine fröhliche Schneewanderin.

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