Ilse
Ein besonderes
Erlebnis
Als
heute Morgen die S-Bahn in den Bahnhof einlief, sah ich überall Köpfe hinter
den Scheiben. Zum Glück fand ich noch einen Sitzplatz. Alle Fahrgäste
beschäftigten sich mit Lesen, Telefonieren, Kaffee trinken oder sie plauderten
miteinander. Mir gegenüber saß eine Frau mit einem dicken Buch in den Händen.
Ihre Nase hatte sie tief darüber gebeugt. Plötzlich fing sie an zu kichern. Ein
Glucksen bewegte ihren Körper. Die Nase hob sich, die Augen bekamen Lachfalten
und das Buch in den Händen senkte sich in ihren Schoß.
Die
Frau strahlte mich an, ihr Mund öffnete sich und ein Lachen sprang heraus.
Verlegen lächelte ich zurück und fing ebenfalls an zu kichern. Ich überlegte,
was wohl ihr Lachen ausgelöst haben könnte. Doch meinen Gedanken konnte ich
nicht zu Ende führen. Das Lachen der Frau wurde immer kraftvoller, war so
ansteckend, dass ich in ihr Lachen einfiel. Beide bogen wir uns plötzlich vor
Lachen. Die Mitfahrer um uns herum grinsten und begannen zu kichern. Der eine
oder andere stimmte in unser Lachen ein. Die Frau mit dem Buch schaute sich um
und lachte noch lauter. Der Dicke mir schräg gegenüber wackelte beim Lachen mit
dem Bauch. Das unterstützte meinen Lachreiz weiter. Ich konnte nicht mehr
aufhören. Durch einen Tränenschleier hindurch sah ich um mich herum nur noch
lachende Gesichter. Selbst der Herr im korrekten Bürodress, der seine Nase
bislang hinter der „Finanzwoche“ versteckte, ließ die Zeitung herabsinken und
schaute sich das ungewöhnliche Szenario um ihn herum an. Ein schmales Grienen
hob seine heruntergezogenen Mundwinkel und er begann zu lächeln.
Inzwischen
schallte das Lachen der Fahrgäste in allen Koloraturen durch den gesamten Wagen
Nummer 4770. Die Lautsprecherdurchsage
war kaum zu verstehen: „Nächste Haltestelle Lautenschlägerstraße.“ Meinen
Zielbahnhof hatte ich erreicht. Das Lachen begleitete mich weiter durch den
Tag.
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