Donnerstag, 19. Juni 2014

Ein besonderes Erlebnis



Ilse
Ein besonderes Erlebnis

Als heute Morgen die S-Bahn in den Bahnhof einlief, sah ich überall Köpfe hinter den Scheiben. Zum Glück fand ich noch einen Sitzplatz. Alle Fahrgäste beschäftigten sich mit Lesen, Telefonieren, Kaffee trinken oder sie plauderten miteinander. Mir gegenüber saß eine Frau mit einem dicken Buch in den Händen. Ihre Nase hatte sie tief darüber gebeugt. Plötzlich fing sie an zu kichern. Ein Glucksen bewegte ihren Körper. Die Nase hob sich, die Augen bekamen Lachfalten und das Buch in den Händen senkte sich in ihren Schoß.
Die Frau strahlte mich an, ihr Mund öffnete sich und ein Lachen sprang heraus. Verlegen lächelte ich zurück und fing ebenfalls an zu kichern. Ich überlegte, was wohl ihr Lachen ausgelöst haben könnte. Doch meinen Gedanken konnte ich nicht zu Ende führen. Das Lachen der Frau wurde immer kraftvoller, war so ansteckend, dass ich in ihr Lachen einfiel. Beide bogen wir uns plötzlich vor Lachen. Die Mitfahrer um uns herum grinsten und begannen zu kichern. Der eine oder andere stimmte in unser Lachen ein. Die Frau mit dem Buch schaute sich um und lachte noch lauter. Der Dicke mir schräg gegenüber wackelte beim Lachen mit dem Bauch. Das unterstützte meinen Lachreiz weiter. Ich konnte nicht mehr aufhören. Durch einen Tränenschleier hindurch sah ich um mich herum nur noch lachende Gesichter. Selbst der Herr im korrekten Bürodress, der seine Nase bislang hinter der „Finanzwoche“ versteckte, ließ die Zeitung herabsinken und schaute sich das ungewöhnliche Szenario um ihn herum an. Ein schmales Grienen hob seine heruntergezogenen Mundwinkel und er begann zu lächeln.
Inzwischen schallte das Lachen der Fahrgäste in allen Koloraturen durch den gesamten Wagen Nummer  4770. Die Lautsprecherdurchsage war kaum zu verstehen: „Nächste Haltestelle Lautenschlägerstraße.“ Meinen Zielbahnhof hatte ich erreicht. Das Lachen begleitete mich weiter durch den Tag.

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