Dienstag, 17. Juni 2014

Lachen steckt an



Wendula
Lachen steckt an

Ich sitze in der S-Bahn. Wie immer beobachte ich die Mitfahrenden. Acht Menschen, jung und älter habe ich in meinem Blickfeld. Sieben sitzen gebeugt über I-Pad oder Handy, ohne hochzugucken. Es ist still im Wagen. Die Bahn hält an der Königstraße. Ein einzelner Mann steigt ein. Mittelgroß, mittelalt, mittelattraktiv aber mit einem spitzen roten Hut, einem Leopardenumhang und einer großen, bunten Plastiktüte. Er bleibt stehen, schaut sich um und greift in seine Tüte. Kaum einer nimmt ihn wahr, alle gucken tief gebeugt auf ihre Technik und lassen die Finger tanzen.
Ein leises Glucksen kommt aus der Tüte. Eine junge Frau mit blondem Pferdeschwanz und tiefem Dekolletee guckt hoch, verzieht den Mund zu einem Grinsen, ihr Partner hört auch auf zu tippen, denn das Geräusch aus der Tüte wird lauter. Jetzt hört es sich an wie richtiges Lachen - ein Lachsack?? Der Rotbehütete fällt ein, lacht mit einem vergnügten Augenzwinkern, die blonde Frau fängt auch an laut und fröhlich mitzulachen, ihr Partner, noch etwas zögerlich, macht mit. Inzwischen haben die meisten Fahrgäste ihre Geräte zur Seite gelegt und deutlich wird: Lachen steckt an! Erst ganz verhalten, vorsichtig und hinter vorgehaltener Hand, ab Reeperbahn geht es wie ein Orkan durch den Wagen und der Lachsturm hört erst an den Landungsbrücken auf. Der Mann mit dem Hut steigt aus - wie eine Fahne trägt er das Lachen über den Bahnsteig bis er mit der Rolltreppe nach oben verschwindet.

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