Ditte
Ich
trete in das Museum ein und es ist als käme ich nach Hause.
Das
kenne ich doch alles!
Das
meiste, was ich an Möbeln und Haushaltsgegenständen sehe, ist mir aus der
Kindheit vertraut. Der Ausguss in der Küche wurde bei meiner Oma „Handstein“
genannt. Auch den Herd erkenne ich wieder. Von dem wurde die ganze Wohnung
beheizt. Im Winter wurde auch darauf gekocht, ansonsten auf einem Gasherd.
Der
Herd war das Schmuckstück der Küche. Der
Messinghandlauf wurde jeden Tag nach dem Mittagessen auf Hochglanz poliert. Die „Kaffeelotte“ stand tagsüber auf dem Herd
und hielt den Kaffee warm. Natürlich gab es nur „Muckefuck“, das war Malzkaffee
entweder Lindes - eine blaue Packung mit weißen Punkten - oder Kathreiner - diese
Packung war rot mit dem Portrait eines alten Mannes darauf.
Über
dem Herd war eine hölzerne Wäschespinne angebracht. Darauf wurden die Geschirrtücher
und Putzlappen getrocknet. Danach verschwanden sie unter dem Paradehandtuch an
einer Hakenleiste.
Dieses
Paradehandtuch war eine aufwendige Kreuzstichstickerei in Blau und Rot mit
einer weißen, gehäkelten Borte. Darauf gestickt war der Spruch: Eigener Herd
ist Goldes wert.
Während
der Bombardierung sollen in der kleinen Wohnung zeitweilig zwölf Personen
gelebt haben, mit Babys und Kleinkindern. Wer in der weiteren Familie
ausgebombt war, kam gern zu meinen Großeltern, denn mein Opa war bei der Post
und brachte unter seinem weiten Postmantel oft Kohlen mit, so dass die Wohnung
warm war.
In
der Küche war eine Chaiselongue, davor ein Esstisch. Der fungierte auch als
Spültisch. Man konnte ein Gestell hervorziehen, in dem zwei weiße
Emailleschüsseln mit blauem Rand verborgen waren. Nach getaner Arbeit wurde der
Tisch wieder zusammengeschoben und ein Tischtuch aufgelegt.
Vor
dem Tisch stand ein Küchenstuhl. Auf dem saß immer meine Oma. Wir Kinder tobten
auf der Chaiselongue (bei Oma durfte man das!) oder spielten am Tisch mit
Plastiktierfiguren, die es beim Kauf von Margarine zugab. Nach einem bekannten
Schlager texteten wir um: „Ei, ei, ei Sanella, Sanella rutscht vom Tella, und
wenn Sanella rutschen tut, dann kommt sie in den Kella.“
Und
wir sangen viel. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ und „Mariechen saß
weinend im Garten“ sang Oma und wir Kinder „Mein Vater war ein Wandersmann“ und
„Wir lieben die Stürme, die brausenden Wogen…“. Ein Radio gab es in der Küche
nicht.
Nachmittags
gab es bei meiner Oma immer ein halbes Brötchen mit einem Kemm´schen Kuchen. Dazu
natürlich Muckefuck. Kuchen wurde nur für sonntags gebacken.
Ich
war immer gern bei meinen Großeltern. Mein Onkel, der nur fünf Jahre älter ist
als ich, und mein Cousin, vier Jahre jünger, waren Spielkameraden, die gut zu
mir passten. Es gab nie Streit zwischen uns. Ich genoss die ruhige und
entspannte Atmosphäre.
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