Maren
Zeitlebens
hat der Wecker mich morgens zur Pflicht gerufen. Schule, Lehrzeit, Beruf, stets
hatte ich die Zeit einzuhalten. Es bestand nirgends eine
Verhandlungsbasis. Mein Leben verlief
hochdiszipliniert und ohne Verspätungen. Dieser morgendliche Ablauf wurde
unterbrochen, als meine neugeborene Tochter eigenmächtig und energisch den
Tagesbeginn bestimmte. Der mechanische Wecker hatte Konkurrenz bekommen, die
wesentlich unnachgiebiger und lauter war.
Im
späteren Berufsleben bekam dann das gute, alte Prinzip des morgendlichen
Pieptones um 6:23 Uhr wieder Bedeutung.
Als
die Arbeit getan war und ich theoretisch nie mehr aufzustehen brauchte, also
bei Rentenbeginn, gab der Wecker kleinlaut bei und verzog sich in eine
Schlafzimmerecke. Dieses Verschnupftsein
dauerte nicht lange, bald brauchte ich ihn erneut, denn ich wollte
reisen. Ärgerlich bemerkte er den Zweitwecker, den ich wegen des frühen
Reisetermins aufgestellt hatte. Er gab an diesem Morgen sein Bestes.
Später
erhielt er seinen alten Platz am Bett, brauchte in Ruhe nur die Zeit
anzuzeigen, seine Signalfunktion forderte ich nur noch gelegentlich an.
Der Wecker
beginnt jetzt, über die Sinnhaftigkeit seines Lebens zu diskutieren. Er trägt
sich mit der Überlegung, seinen Dienst einzustellen. Damit wird „Der Wecker
klingelt nicht mehr“ konkret und wahr.
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