Sonntag, 8. November 2015

Ich habe die Zeit vergessen



Ilse

Ein grauer Tag. Die Wolken hängen tief am Himmel, Regen prasselt gegen die Fensterscheiben. Ein Wetter passend zu meinem Befinden. Seit Tagen plagt mich eine Erkältung. Im Hals kribbelt es, die Nase läuft und mein Körper fühlt sich müde und matt an.
Ich will das alles vergessen! Mit einer Wärmflasche im Rücken liege ich in meinem Bett, fest in meine Bettdecke gewickelt. Das Kopfteil ist nach oben gestellt, dass ich sitzen und mich bequem anlehnen kann. In den Händen halte ich einen Roman von Georgette Heyer. Die Lampe hinter mir verbreitet ihr sonniges Licht auf den Buchseiten.
Schnell tauche ich ein in die Welt des neunzehnten Jahrhunderts und die Lebenssituation der Protagonistin. Spannend beschreibt die Autorin das Aufbegehren der Hauptperson gegen die Konventionen der Zeit, gegen die Pflichten der weiblichen Mitglieder einer Familie. Ich verfolge die Entwicklung der Geschichte mit großem Interesse und bin gespannt auf den Ausgang.
Erst als mir bewusst wird, dass mein Magen laut knurrt, kehre ich zurück in meinen Alltag. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, ich habe Zeit und Raum vergessen. Und mein eigenes mieses Befinden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen