Schuhleisten
Maren
Schuster
bleib bei deinen Leisten. Ein altes Sprichwort wurde durch die wirtschaftliche
Not der Nachkriegszeit von meinem Vater außer Kraft gesetzt. Mein Vater, ein
Instrumentenbaumeister und guter Handwerker, stellte mit großem Erfolg für
seine drei Kinder Schuhe aus Werg und Segelstoff selbst her. Mir ist nicht
bekannt, wie er zu dem Leisten, der sich noch heute in meinem Keller befindet,
gekommen ist. Jedenfalls
begann er an dem Holzmodell die Sohle aus Werg zu formen. Ein streng
geflochtener zwei Zentimeter breiter Strang wurde erst kreisrund, dann lang
gestreckt der Sohle nachgebildet. Mit Nadel und einem starken Faden durchzog er
das Sohlenteil was dem Machwerk den nötigen Halt gab. Auf die Sohle nähte er für
den oberen Teil des Schuhs festen Stoff. Der Holzleisten war flexibel. Je nach
Fußgröße konnte er verstellt werden. Wir bekamen wunderbare leichte
Sommerschuhe, die leider den Herbst nicht überlebten. Feuchtigkeit und Schnee
hielten dem Material nicht stand. Die Erinnerung an diese Schuhe stellte sich
erst heute Abend im Eidelstedter Museum wieder ein, als ich den Leisten sah.
Daran ist auch der Sommer im Garten gekoppelt, wo diese Schuhe entstanden. Ich
rieche die Luft, eine warme weiche Brise schleicht sich in meine Seele. Die
schöne harmonische Zeit war geprägt von Hunger und Entbehrung. Doch das sind
nur noch Worte, die Gefühle liegen bei der Freude im sommerlichen Garten mit
meiner Familie, symbolisiert durch die selbst hergestellten Schuhe.
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