Renate
In
den Erzählungen meiner Eltern tauchte ich oft als schlecht oder gar nicht
hörendes Kind auf, das nur hörte, was es wollte.
Am
liebsten hatte ich die Stimme meiner Eltern beim Vorlesen. So wuchs die Welt in
mir.
Ich
entdeckte die vielen laute der Tiere im Zoo, in dem wir oft und lange
herumschweiften und ich stundenlang vor den Käfigen hing. Auch die gemaunzten
Wünsche unserer Hauskatze verstand ich bald genau.
Ohne
Radio und Fernsehen schenkte meine Oma mir einen großen Schatz vorgesungener
Kinder- und Volkslieder, heute versunken, aber alle noch hörbar in meinem Kopf.
Die Musik hat mich nie verlassen. Mit den Jahren lernte ich die klassische
Musik von alt bis modern als große Kostbarkeit schätzen, die über Traurigkeit
und schlechte Tage verlässlich hinweghalf.
Zum
Ende der Schulzeit begann die Tanzstunde, und diese Musik, berauschend gemischt
aus Rhythmus und Melodie, vibrierte durch meinen Körper. Tanzen wurde über
meine Ohren zur Leidenschaft, die mich heute in der Erinnerung immer noch vom
Stuhl holt.
Seit
ein paar Jahren hat mich mein Hören verlassen, und ich lebe wie in einer Wüste.
Ich verstehe meine Gesprächspartner oft schwer und meine geliebte Musik ist für
immer verloren. So schöpfe ich nur aus der Erinnerung. Immerhin, die ganz hohen
Vogelstimmen sind mir geblieben.
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