Peter
Die Geschichte meines Hörens begann auch bei mir schon ein paar Monate vor der Geburt. Da werde ich schon Tonfall und Stimmenlage der Eltern gehört haben. Nach der Geburt habe ich als erstes die Stimmen von Eltern und Geschwistern deutlich erkannt und den Personen nach und nach zugeordnet. Erst etwas später habe ich sie deutlicher mit den Augen unterscheiden können. Nach und nach fielen mir andere Geräusche auf, die häufig oder sogar dauernd zu hören waren. Dazu zählt das Ticken einer Wand-Pendeluhr, das Fließgeräusch von Wasser, und ab und zu auch den rhythmischen Hammerschlag auf dem Amboss einer benachbarten Schmiede. Das waren vertraute und Erinnerung bildende Töne und Geräusche in meiner frühen Kindheit.
Später
musste ich als Kriegskind den schrecklichen Lärm von Sirenen, brummenden
Flugzeugschwärmen und Bombenexplosionen hören und verstehen lernen. Wie
angenehm dagegen das ferne Grollen eines Gewitters, verbunden mit der Erwartung
eines erfrischenden Regengusses, der auf das schützende Haustür-Vordach
prasselt. Oder das ferne Tuten eines Dampfers zu sonst stiller Nachtzeit.
Mit
dem Erwachsensein musste ich während der Berufszeit viele Arten von
industriellem Fabriklärm oder auch Geräusche des ganzen Transport- und
Verkehrswesens unterscheiden lernen, dies oft aus Notwenigkeit der eigenen
Sicherheit. Wie wichtig war es da, gute Ohren zu haben und zu behalten.
Ein
großer Hörgenuss war es und ist es für mich, bei Kindern zuzuhören, wie sie
beginnen die eigene Sprache zu formen. Aber auch das Schnurren einer Katze
wirkt gemütserfrischend. Nun, alt und leicht grauhaarig geworden, höre ich
morgens am liebsten das röchelnde Geräusch der Kaffeemaschine, und aus dem Radio
die sonore und ruhige Stimme des Nachrichtensprechers. Es sollten aber gute
Nachrichten sein - bitteschön!.
Selbstverständlich
liebte und liebe ich auch als „Unmusikalischer“ gern vielfältige Musik aller
Art, wenn sie rhythmisch klingt und von den Musikern mit erkennbarer
Begeisterung vorgetragen wird. Aus Versehen bin ich erst vor kurzem an einem
Fernseh-Konzert der lauten Band „Katzenjammer“ voll Interesse bis zur Zugabe
hängen geblieben. Das war gutes Zusammenspiel der jungen Frauen, voll Bewegung,
Spaß und Leidenschaft. Ich gebe zu, meine Ohren brauchten diesmal auch die
Augen zur Sinnesunterstützung der eigenen Begeisterung.
Leider
muss ich immer mehr feststellen, dass ich manche hohen Töne auch bei großer
Lautstärke nicht mehr höre. Ich höre auch „langsamer“, aber das ist wohl eher
Kopfsache. Jedenfalls muss ich bald gute Hörgeräte tragen, solche die mir nicht
dauernd aus den Ohren fallen!
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