Montag, 29. Februar 2016

Geschichte meines Hörens



Peter

Die Geschichte meines Hörens begann auch bei mir schon ein paar Monate vor der Geburt. Da werde ich schon Tonfall und Stimmenlage der Eltern gehört haben. Nach der Geburt habe ich als erstes die Stimmen von Eltern und Geschwistern deutlich erkannt und den Personen nach und nach zugeordnet. Erst etwas später habe ich sie deutlicher mit den Augen unterscheiden können. Nach und nach fielen mir andere Geräusche auf, die häufig oder sogar dauernd zu hören waren. Dazu zählt das Ticken einer Wand-Pendeluhr, das Fließgeräusch von Wasser, und ab und zu auch den rhythmischen Hammerschlag auf dem Amboss einer benachbarten Schmiede. Das waren vertraute und Erinnerung bildende Töne und Geräusche in meiner frühen Kindheit.
Später musste ich als Kriegskind den schrecklichen Lärm von Sirenen, brummenden Flugzeugschwärmen und Bombenexplosionen hören und verstehen lernen. Wie angenehm dagegen das ferne Grollen eines Gewitters, verbunden mit der Erwartung eines erfrischenden Regengusses, der auf das schützende Haustür-Vordach prasselt. Oder das ferne Tuten eines Dampfers zu sonst stiller Nachtzeit.
Mit dem Erwachsensein musste ich während der Berufszeit viele Arten von industriellem Fabriklärm oder auch Geräusche des ganzen Transport- und Verkehrswesens unterscheiden lernen, dies oft aus Notwenigkeit der eigenen Sicherheit. Wie wichtig war es da, gute Ohren zu haben und zu behalten.
Ein großer Hörgenuss war es und ist es für mich, bei Kindern zuzuhören, wie sie beginnen die eigene Sprache zu formen. Aber auch das Schnurren einer Katze wirkt gemütserfrischend. Nun, alt und leicht grauhaarig geworden, höre ich morgens am liebsten das röchelnde Geräusch der Kaffeemaschine, und aus dem Radio die sonore und ruhige Stimme des Nachrichtensprechers. Es sollten aber gute Nachrichten sein - bitteschön!.
Selbstverständlich liebte und liebe ich auch als „Unmusikalischer“ gern vielfältige Musik aller Art, wenn sie rhythmisch klingt und von den Musikern mit erkennbarer Begeisterung vorgetragen wird. Aus Versehen bin ich erst vor kurzem an einem Fernseh-Konzert der lauten Band „Katzenjammer“ voll Interesse bis zur Zugabe hängen geblieben. Das war gutes Zusammenspiel der jungen Frauen, voll Bewegung, Spaß und Leidenschaft. Ich gebe zu, meine Ohren brauchten diesmal auch die Augen zur Sinnesunterstützung der eigenen Begeisterung.
Leider muss ich immer mehr feststellen, dass ich manche hohen Töne auch bei großer Lautstärke nicht mehr höre. Ich höre auch „langsamer“, aber das ist wohl eher Kopfsache. Jedenfalls muss ich bald gute Hörgeräte tragen, solche die mir nicht dauernd aus den Ohren fallen!

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