Sonntag, 7. August 2016

Mit gemischten Gefühlen nach Hamburg



Ursula

Frisch verheiratet durften wir 1962 in der Wohnung der Großeltern zwei Räume der wohnraumbewirtschafteten Vierzimmerwohnung als Domizil nutzen und alle hinterlassenen Haushaltsgegenstände in Besitz nehmen. Das war hilfreich in einer ärmlichen Zeit. Hamburg öffnete damit unserem jungen Glück weit die Türen und gab wohlwollend Starthilfe.
Hamburg ist freundlich.

Andererseits verließ ich eine lebendige Familie im Ruhrgebiet mit vielen Außenkontakten und bewegtem Alltagsleben, mit vertrauten Wegen und regelmäßigen Abläufen. Die Größe Hamburgs machte mir, der Zwanzigjährigen Angst. Ich fürchtete, mich nicht zurechtzufinden und keine neuen Kontakte knüpfen zu können. Wie werde ich in der Fremde aufgenommen?
Hamburg macht Angst.

Mit diesen widerstrebenden Gefühlen spazierte ich im Mai 1962 zum ersten Mal am rechten Ufer der Elbe von Teufelsbrück in Richtung Blankenese. Und da war der Geruch, der mir Heimat wurde. Eine leichte Brise von Westen brachte den Hauch des Meeres mit sich. Die träge dahin fließende Elbe mischt ihre Gerüche dazu – zu diesem ganz speziellen Hamburger Elbduft, der nur am Ufer des großen Stroms wahrzunehmen ist.  Für mich ist er das Aroma der großen weiten Welt mit dem weit offenen Hamburger Tor dorthin und er ist der Geruch, der mein Herz einnahm.
Hamburger Wohlgeruch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen