Ursula
Frisch
verheiratet durften wir 1962 in der Wohnung der Großeltern zwei Räume der
wohnraumbewirtschafteten Vierzimmerwohnung als Domizil nutzen und alle
hinterlassenen Haushaltsgegenstände in Besitz nehmen. Das war hilfreich in
einer ärmlichen Zeit. Hamburg öffnete damit unserem jungen Glück weit die Türen
und gab wohlwollend Starthilfe.
Hamburg
ist freundlich.
Andererseits
verließ ich eine lebendige Familie im Ruhrgebiet mit vielen Außenkontakten und
bewegtem Alltagsleben, mit vertrauten Wegen und regelmäßigen Abläufen. Die
Größe Hamburgs machte mir, der Zwanzigjährigen Angst. Ich fürchtete, mich nicht
zurechtzufinden und keine neuen Kontakte knüpfen zu können. Wie werde ich in
der Fremde aufgenommen?
Hamburg
macht Angst.
Mit
diesen widerstrebenden Gefühlen spazierte ich im Mai 1962 zum ersten Mal am
rechten Ufer der Elbe von Teufelsbrück in Richtung Blankenese. Und da war der
Geruch, der mir Heimat wurde. Eine leichte Brise von Westen brachte den Hauch
des Meeres mit sich. Die träge dahin fließende Elbe mischt ihre Gerüche dazu –
zu diesem ganz speziellen Hamburger Elbduft, der nur am Ufer des großen Stroms
wahrzunehmen ist. Für mich ist er das
Aroma der großen weiten Welt mit dem weit offenen Hamburger Tor dorthin und er
ist der Geruch, der mein Herz einnahm.
Hamburger
Wohlgeruch.
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