Sonntag, 8. Januar 2017

4. Schreibnacht im Museum



Ilona
Die Truhe

Der Raum war vollgestellt mit Möbeln, Gerümpel für den Sperrmüll, dachte ich. Bis ich die Truhe entdeckte. Sie musste uralt sein. Tiefe Maserungsfurchen gruben sich durch das Holz. Lädierte Schnitzereien zierten die Vorderseite. Waren da nicht ein Schriftzug und eine Jahreszahl zu erkennen?
Ich strich mit der Hand über die rauen Eisenbeschläge des Deckels. Im Schloss steckte ein Schlüssel, rotbraun vor Rost. Es gelang mir, den Schlüssel im Schloss zu drehen, doch der Deckel klemmte. Endlich gelang es mir, den Schlüssel im Schloss zu drehen. 

Sind Träume Schäume?
Ordner mit Eigentumsnachweisen vergangener Generationen und Bauzeichnungen steckten bis zum Rand in der Truhe.
Ich hatte das Haus mit Mobiliar ersteigert und war mir eigentlich gewiss, nichts Spannendes zu finden. Aber vor der Entrümpelung musste jetzt erst einmal das Material gesichtet werden und vor allen Dingen die Jahreszahl auf der Truhe ermittelt werden.
Wer konnte mir da helfen? Die Bank, Verwandte, Nachbarn oder auch die gefundenen Dokumente?
Ich leerte die Truhe, was sich als etwas kompliziert erwies, weil ein doppelter Boden eingezogen war. Mit dem vorhandenen Werkzeug versuchte ich, das Geheimnis zu lüften, immer in der Hoffnung auf einen Schatz zu stoßen.

Es klingelte, mein Mann kam aus dem Geschäft, um mir zu helfen. Sofort erzählte ich ihm von meinem Fund, der mich ja schon den ganzen Tag gewaltig beschäftigte. Da wir das Haus relativ preiswert ersteigert hatten, konnte er sich nicht vorstellen, einen Schatz darin zu finden und vermutete bei mir eine überbordende Phantasie.

Letztendlich entpuppten sich Schriftzug und Jahreszahl als optische Täuschung. Der doppelte Boden brachte auch nur Luft zu Tage. 
Der Traum vom großen Glück durch einen Schatz hatte sich erledigt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen