Ilona
Die Truhe
Der Raum war
vollgestellt mit Möbeln, Gerümpel für den Sperrmüll, dachte ich. Bis ich die
Truhe entdeckte. Sie musste uralt sein. Tiefe Maserungsfurchen gruben sich
durch das Holz. Lädierte Schnitzereien zierten die Vorderseite. Waren da nicht
ein Schriftzug und eine Jahreszahl zu erkennen?
Ich strich mit der
Hand über die rauen Eisenbeschläge des Deckels. Im Schloss steckte ein
Schlüssel, rotbraun vor Rost. Es gelang mir, den Schlüssel im Schloss zu
drehen, doch der Deckel klemmte. Endlich gelang es mir, den Schlüssel im
Schloss zu drehen.
Sind
Träume Schäume?
Ordner
mit Eigentumsnachweisen vergangener Generationen und Bauzeichnungen steckten
bis zum Rand in der Truhe.
Ich
hatte das Haus mit Mobiliar ersteigert und war mir eigentlich gewiss, nichts
Spannendes zu finden. Aber vor der Entrümpelung musste jetzt erst einmal das
Material gesichtet werden und vor allen Dingen die Jahreszahl auf der Truhe
ermittelt werden.
Wer
konnte mir da helfen? Die Bank, Verwandte, Nachbarn oder auch die gefundenen
Dokumente?
Ich
leerte die Truhe, was sich als etwas kompliziert erwies, weil ein doppelter
Boden eingezogen war. Mit dem vorhandenen Werkzeug versuchte ich, das Geheimnis
zu lüften, immer in der Hoffnung auf einen Schatz zu stoßen.
Es
klingelte, mein Mann kam aus dem Geschäft, um mir zu helfen. Sofort erzählte
ich ihm von meinem Fund, der mich ja schon den ganzen Tag gewaltig beschäftigte.
Da wir das Haus relativ preiswert ersteigert hatten, konnte er sich nicht
vorstellen, einen Schatz darin zu finden und vermutete bei mir eine
überbordende Phantasie.
Letztendlich
entpuppten sich Schriftzug und Jahreszahl als optische Täuschung. Der doppelte
Boden brachte auch nur Luft zu Tage.
Der
Traum vom großen Glück durch einen Schatz hatte sich erledigt.
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