Sonntag, 8. Januar 2017

4. Schreibnacht im Museum



Wiebke und Holger
Die Truhe

Der Raum war vollgestellt mit Möbeln. Gerümpel für den Sperrmüll, dachte ich. Bis ich die Truhe entdeckte. Sie musste uralt sein. Tiefe Maserungsfurchen gruben sich durch das Holz. Lädierte Schnitzereien zierten die Vorderseite. Waren da nicht ein Schriftzug und eine Jahreszahl zu erkennen?
Ich strich mit der Hand über die rauen Eisenbeschläge des Deckels. Im Schloss steckte ein Schlüssel, rotbraun vor Rost. Es gelang mir, den Schlüssel im Schloss zu drehen, doch der Deckel klemmte. Endlich gelang es mir, die Truhe zu öffnen…

Wir schenkten der Truhe jedoch gar keine Bedeutung, denn wir hatten Hunger, ganz großen Hunger. Mühsam kämpften wir uns durch den viel zu voll gestellten Raum und bahnten uns den Weg in die Küche …
An der glatten Steinwand hängt eine Öllampe. Ich sitze an der Stirnseite des Tisches mit Blick zur Tür und lausche dem Bullern des Ofens. Erbsensuppe soll es werden mit ein paar Kartöffelchen, einem großen Stück Speck und Suppengrün.
Wiebke, die an der Längsseite des Tisches sitzt, blickt auf eine Stickerei mit rotem Schriftzug “Kochen ist Kunst“. Wiebke kocht gern, auch für mich. Nachdem ich noch ein Brikett nachgeschoben habe und Wiebke in der Suppe rührt, mahle ich schon mal die Kaffeebohnen mit der Hand. Kurbeln hält warm. Mir geht es so richtig gut, ich fühle mich pudelwohl. In Erwartung der schönen Erbsensuppe stehe ich vom Küchentisch auf und gehe langsam durch die Wohnung. Da fällt mein Blick auf die Truhe, was mag darin verborgen sein, was lässt mich so erschrecken? Ich nähere mich zögernd dem Möbel. Ich bringe es nicht fertig, die Truhe zu öffnen. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, mit denen ich mich äußerst ungern auseinandersetze, was ich mir da schon alles eingebrockt habe! Da lässt sich eine Erbsensuppe leichter auslöffeln. Vorher müssen wir aber noch ordentlich umrühren, umrühren – Aufruhr!

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