Wiebke und Holger
Die Truhe
Der Raum war
vollgestellt mit Möbeln. Gerümpel für den Sperrmüll, dachte ich. Bis ich die
Truhe entdeckte. Sie musste uralt sein. Tiefe Maserungsfurchen gruben sich
durch das Holz. Lädierte Schnitzereien zierten die Vorderseite. Waren da nicht
ein Schriftzug und eine Jahreszahl zu erkennen?
Ich strich mit der
Hand über die rauen Eisenbeschläge des Deckels. Im Schloss steckte ein
Schlüssel, rotbraun vor Rost. Es gelang mir, den Schlüssel im Schloss zu
drehen, doch der Deckel klemmte. Endlich gelang es mir, die Truhe zu öffnen…
Wir
schenkten der Truhe jedoch gar keine Bedeutung, denn wir hatten Hunger, ganz
großen Hunger. Mühsam kämpften wir uns durch den viel zu voll gestellten Raum
und bahnten uns den Weg in die Küche …
An
der glatten Steinwand hängt eine Öllampe. Ich sitze an der Stirnseite des
Tisches mit Blick zur Tür und lausche dem Bullern des Ofens. Erbsensuppe soll
es werden mit ein paar Kartöffelchen, einem großen Stück Speck und Suppengrün.
Wiebke, die an der Längsseite des Tisches sitzt,
blickt auf eine Stickerei mit rotem Schriftzug “Kochen ist Kunst“. Wiebke kocht
gern, auch für mich. Nachdem ich noch ein Brikett nachgeschoben habe und Wiebke
in der Suppe rührt, mahle ich schon mal die Kaffeebohnen mit der Hand. Kurbeln
hält warm. Mir geht es so richtig gut, ich fühle mich pudelwohl. In Erwartung
der schönen Erbsensuppe stehe ich vom Küchentisch auf und gehe langsam durch
die Wohnung. Da fällt mein Blick auf die Truhe, was mag darin verborgen sein,
was lässt mich so erschrecken? Ich nähere mich zögernd dem Möbel. Ich bringe es
nicht fertig, die Truhe zu öffnen. Es gibt so viele Dinge in meinem Leben, mit
denen ich mich äußerst ungern auseinandersetze, was ich mir da schon alles eingebrockt
habe! Da lässt sich eine Erbsensuppe leichter auslöffeln. Vorher müssen wir aber
noch ordentlich umrühren, umrühren – Aufruhr!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen